Schiffe dem Fluss anpassen

Widerstand gegen Donauausbau wächst

Niederalteich (uz). Die Anrainer fühlen sich von Hochwassern bedroht - die Vogelschützer fürchten um das Aussterben der für die Auwälder und Fließgewässer typischen Arten - die Fischer kämpfen um das Überleben seltener Fischpopulationen. Die Kanusportler treten nicht nur aus sportlichen Gründen, sondern als Partner des Naturschutzes vehement für die letzten frei fließenden 70 Kilometer zwischen Straubing und Vilshofen ein - für ein europäisches Naturerbe von höchster Qualität. Vor allem im Gebiet der Isarmündung drohen seltene ökologische Schätze zu versinken.

Sie alle wollen auch einen einmaligen Naturverbund in ihrer Heimat erhalten - für sich, für ihre Kinder und Kindeskinder. Und so lautete die Forderung von Hermann Thiebes, Vizepräsident Freizeitsport im Deutschen Kanu-Verband, bei der Kundgebung zum Donau-Fest 2010: "Die Schiffe müssen dem Fluss angepasst werden, nicht der Fluss den Schiffen!"

Nadelöhr Donau

Dem schloss sich Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender von Bund Naturschutz Bayern und BUND, unisono an. Er konnte nicht verstehen, warum der best untersuchte Fluss Deutschlands wiederholt - diesmal mit EU-Mitteln - für 23 Millionen Euro auf seine Ausbaumöglichkeiten untersucht werden soll. Den Auftrag dazu hat eine Tochtergesellschaft der RMD (Rhein-Main-Donau AG) erhalten. Die Aufgabenbereiche der RMD-Gruppe bestehen aus Wasserstraße und Wasserkraft ...

Zwar schütze die RMD vor, bei der Untersuchung nur im Auftrag der Bundesregierung zu handeln, wusste Weiger, aber nur 2,5 % der deutschen Schifffahrt findet auf der Donau statt. Und selbst wenn die Donau in Deutschland durchgängig mit der gewünschten Tiefe von 2,80 m schiffbar wäre, so zeigten sich andere Hürden bereits jetzt: Der Rhein-Main-Donau-Kanal ist der am höchsten liegende Kanal Deutschands, d. h. er friert im Winter zu, muss in Teilstücken immer wieder wegen Reparaturarbeiten an den Schleusen für die Schifffahrt gesperrt werden ... In all diesen Wochen ist er ebenso wenig profitabel wie die letzte natürliche Strecke der Donau mit ihren engen Kurven und natürlich schwankenden Wasserständen.

Das Nadelöhr Donau setzt sich in beide Richtungen fort: auf dem Main ebenso wie im österreichischen Nationalpark Donau-Auen, den ungarischen Nationalparks Duna-Ipoly, Duna-Drava, in Kroatien an der Mündung der Drau, im serbischen Nationalpark Djerdap mit der eindrucksvollen Schlucht des Eisernen Tores, und erst Recht im Mündungsdelta der Donau in Rumänien, ein Biosphärenreservat und UNESCO-Welterbe mit 2000 Insekten- und 40 Säugetierarten ...

Mehr Hirn statt Beton

Der Widerstand wächst: Selbst innerhalb der Politik haben sich Allianzen über alle Parteien hinweg zugunsten eines naturnahen Ausbaus der Donau gebildet. Die Gegner der Ausbauvariante mit Staustufen und Wasserkraftwerken unterstützen die Forderung von Anton Huber auf Überprüfung der Rolle der RMD durch die Europäische Kommission selbst. Sie fordern die Beachtung des Parlamentsbeschlusses aus dem Jahr 2002, der lautet: Es gibt kein Geld für einen Ausbau der frei fließenden Donau, es sei denn für ökologische Maßnahmen!

Weiger sprach in diesem Zusammenhang von Steuergeldverschwendung und forderte lautstark: "Mehr Hirn statt Beton lautet die Alternative!" Die von der Bundesrepublik gekauften Ausgleichsflächen würden besser für den ökologischen Hochwasserschutz eingesetzt - aber daran sei nichts zu verdienen ...

 

Bitte lesen Sie weiter im kanu-kurier Nr. 3/2010

 

 Donau  Donau  Donau

 

Geschrieben von: Uschi Zimmermann am Samstag, den 22. Mai 2010 um 18:45 Uhr