Zu viel Wasser

Die WM-Medaille kam dann doch noch ...

Die Weltmeisterschaften 2010 im Wildwasserrennsport fanden in den Pyrenäen, im kleinen Städtchen Sort, statt. Bereits als die deutsche Mannschaft das erste Mal zum Training dort anreiste, war klar: Sort und Kanu, das gehört zusammen.

Wir sahen Kajaks auf Hotelbalkonen - anderswo undenkbar, hier ganz normal -, wohnten in der örtlichen Kanuschule fast besser als im Hotel und fotografierten die zahllosen WM-Plakate überall im Ort. Nur mit der sprichwörtlichen spanischen Sonne wollte es irgendwie nicht so recht klappen. Aber wir waren ja eigentlich auch nicht in Spanien: "No español, catalán!"

Sowohl die katalanischen Flaggen, die aus den Fenstern hingen, als auch die stündlichen Lautsprecherdurchsagen am Marktplatz erinnerten stets an die katalanische Unabhängigkeitsbewegung, und so durften wir auch bei der Eröffnungsfeier die katalanische statt der spanischen Hymne hören, und unser frisch erlerntes Urlaubsspanisch gleich zurück in den Koffer packen.

Im Nachteil

Am ersten Wettkampftag zeigten sich Sort und der Noguera Pallaresa - ein wunderschöner Wildwasserfluss - von ihrer besten Seite. Bei strahlendem Sonnenschein fanden die Rennen der Männer auf türkis-blauem Wasser statt. So schön, dass man fast die etwas chaotische Organisation vergessen konnte, die die Startlisten für das WM-Rennen erst drei Stunden vor Rennbeginn zu Wege brachte. Für das deutsche Team war es am Ende ein Tag der gemischten Gefühle: Das Wasser stieg im Laufe des Nachmittags leicht: Achim Overbeck gewann die Silbermedaille, die anderen deutschen Herren, die sehr früh im Feld starteten, waren dadurch im Nachteil und konnten nicht auf die erwarteten guten Platzierungen fahren.

Am nächsten Tag zeigte der Pallaresa dann ein ganz anderes Gesicht: Nach Gewitter und strömendem Regen die ganze Nacht hindurch war das Wasser extrem gestiegen. Bei der Trainingsfahrt kämpften wir schon mit der enormen Wasserwucht, bis zum Rennen stieg der Pegel weiter ... Ach so, welcher Pegel eigentlich? Der war ja schon gar nicht mehr zu sehen!

Kreiselnde Dixi-Klos

Für das deutsche Team wurde auch dieses Hochwasserrennen zu einem Wechselbad der Gefühle: Die beiden bayerischen Fahrerinnen hatten Pech: Manuela Stöberl verlor durch einen folgenschweren Fahrfehler gleich nach 500 Metern 25 Sekunden, landete erst im Ufer-Geröll, dann im Kehrwasser und musste rollen. Da nutzte es auch nichts mehr, dass sie auf der restliche Strecke Bestzeiten fuhr. Am Ende war es nur der 10. Platz.
Maria Hollerieth wurde von einem riesigen, daherschwimmenden Baum behindert und reihte sich am Ende auf Rang 15 ein. Alke Overbeck jedoch kämpfte sich ohne Missgeschicke ins Ziel und gewann die Goldmedaille, währen die vierte deutsche Fahrerin, Sandra Ott, kenterte und das Ziel gar nicht erreichte.

Sofort nach den Rennen wurde der Fluss gesperrt, das Paddeln polizeilich verboten, und drei Stunden später erinnerten nur noch die im Kehrwasser kreiselnden Dixi-Klos daran, dass hier vor kurzem noch der Parkplatz für eine WM war.

Medaille für Bayern

Getreu dem Motto "Schaun mer mal, dann sehn mer schon!" wurden die weiteren Wettkämpfe halbtageweise nach hinten verschoben und Sportler und Trainer ohne konkrete Informationen stets wieder um ein paar Stunden vertröstet, bis es dann am Ende der Woche keinen weiteren Tag mehr gab. Die Organisationsleitung rang sich dann letztendlich doch am Freitagnachmittag dazu durch, eine Ausweichstrecke zu suchen, auf der bereits am Samstagvormittag die Mannschaftsrennen stattfanden.

Hier holten Maria Hollerieth und Manuela Stöberl dann doch noch die ersehnte Medaille nach Bayern: Zusammen mit Alke Overbeck gewannen sie Bronze hinter den Teams aus Großbritannien und Frankreich.

Gebremste Feierlaune

Beendet wurde die WM am Sonntag mit den Einzel-Sprintrennen, die aber keine weiteren deutschen Medaillen brachten. Manuela Stöberl fuhr auf den 11. Platz, Normen Weber endete nach einem sehr guten Wettkampf auf Rang 4.

Die Feierlaune nach der überstandenen Weltmeisterschaft wurde noch eine Weile gebremst, da am nächsten Morgen sehr früh die Heim- bzw. Weiterreise anstand. Ob zum Flughafen nach Barcelona (vier Stunden Pyrenäenpässe) und zurück nach München/Landshut/Rosenheim (insgesamt zwölf Stunden) oder mit Bus und Hänger nach NRW (14 Std.) oder auch die Königsdisziplin: 20 Stunden nach Slowenien, direkt zum Weltcup - alle hatten eine anstrengende Reise vor sich. Boote wurden verpackt, Hänger beladen, Handgepäck nach Gewicht umverteilt und Riesentaschen geschleppt.

Doch als am Ende des Tages alles und jeder erledigt war, sollte diese WM doch noch mit einer schönen Abschlussfeier, einem Deutschen 4:0 Fußball-WM-Auftakt-Sieg und einer tollen Party ausklingen. Unser Gesamturteil für Spanien: Nach Sort kommen wir sicher alle gerne wieder, nur vielleicht nicht unbedingt zu einer WM.

Manuela Stöberl

 

Anmerkung in eigener Sache:

Wir bedanken uns ganz herzlich beim BKV-Präsidium und der Vorstandschaft des KK Rosenheim für die finanzielle Unterstützung, die uns eine optimale Vorbereitung auf die WM, insbesondere das Trainingslager in Sort, erst ermöglicht hat. Ebenfalls ein dickes Dankeschön an Fritz Stöberl und Konrad Hollerieth, die sehr viel Zeit für uns und unsere Vorbereitung aufgebracht haben.

Maria und Manu

 

WM_WWR

Geschrieben von: Uschi Zimmermann