Fahrtenleiterlehrgang: vom 1 mal 1 bis zum 30 zu 2 ...?!

Wir, das waren 19 engagierte Paddler/-innen, von Coburg bis Rosenheim, die es genauer wissen wollten. Was sollte ein Fahrtenleiter wissen und können, damit er der Verantwortung in der Fahrtenleitung und –führung gerecht werden kann?

Wen fragt man?
Am besten diejenigen, die sich wirklich auskennen! Das waren für uns:
- Peter Fichtner, Leiter des Lehrgangs und Haudegen auf allen Gewässern
- Kathi Mikschl vom „Umweltministerium“ des BKV, engagiert bis unter die Wurzeln
- Oliver Bungers, in Sachen Recht und Haftungsfragen macht unserem Präsidenten keiner etwas vor (auch sonst ist er mit allen Wassern gewaschen nicht abgehoben)
- Florian Dr. Wolf, Mediziner und Paddler, beides aus Leidenschaft, das spürt man!

Wo waren wir?

Am ersten Wochenende in Bamberg, auf dem Gelände des Bamberger Faltbootklubs, am zweiten Wochenende beim Kajak-Klub Rosenheim am Inn.

Die Bausteine waren:

  1. (1 mal 1), Paddeln können!
    Praktische Übungen der Grundschläge, klar vorgeführt und strukturiert erklärt von Peter, durch Kathi in ihrer persönlich anderen Art hinterfragt: „probiert es aus, was fühlt sich für euch besser an? ( gleiches Ergebnis, aber spannend andere Wege).
  2. Gesetze und Vorschriften:
    Wir wissen schon, worauf wir achten müssen...
    Weit gefehlt, von Vorschriften zur Hängerbeladung über Jugendschutz und Besonderheiten bei Fahrten mit Kindern, Aufsichtspflicht und „Erziehungsbeauftragung“...
    Vor dem Kurs nur leere Worte, mitten im Kurs dann erschreckende Verantwortlichkeiten aber, noch nicht hinschmeißen, bitte!
  3. Umweltschutz: von Vögeln, Fischen, Bibern, Paddlern, Schlauchbootfahrern und Sonnenanbetern...
    Wir alle teilen uns einen gemeinsamen Raum. Für Vögel, Fische und Biber ist es ihr Lebens- und Überlebensraum, für die anderen ein für das eigene kurzfristige Vergnügen genutzter Freizeitraum.
    Kathi hat uns sensibilisiert die ausgewiesenen Schutzzeiträume ernst zu nehmen, und auch in den übrigen Zeiten die Brut- und Laichräume behutsam zu respektieren.
    Als Paddler an sich, als Fahrtenleiter sowieso: Wir versuchen Vorbild zu sein!

Zweites Wochenende in Rosenheim:

  1. Sicherheit im Kanusport:
    Peter hat uns nachdrücklich die notwendige Sicherheitsausrüstung nahegebracht, die eigenen Grenzen wurden jedem klar, als wir „nur einfach mal so“ den Wurfsack in die Luke eines 7m entfernten Bootes werfen sollten... (beim ersten Durchgang landeten nur zwei Säcke im Boot).
  2. Dann kam Oli...:
    Rechtlich , versicherungstechnisch und haftungsmäßig gibt es viel zu beachten!
    Die gute Botschaft: das meiste gebietet der gesunde Menschenverstand und die nötige Sorgfalt. Wir übernehmen Verantwortung trotz der Risiken, sind aufmerksam und wachsam.
  3. Wieder Peter, Rettungsübungen:
    Trotz Sauwetter und Kälte, SchwimmerInnen im Inn mussten gerettet werden! Egal ob mit Wurfsack von Land aus, mit Bootsrettung oder mit mutigem, seilgesicherten Springer... (alle wieder trocken an Land).
  4. (30 / 2) Erste Hilfe, Dr. Florian Wolf, Paddler und Mediziner aus Leidenschaft:
    Ooh nee!, nicht schon wieder, habe ich doch erst letztes Jahr...!
    „Was machst du als erstes?“ -Schweigen-...
    Warum Schweigen? Aus Angst etwas Falsches zu tun, machen wir lieber gar nichts, wir machen damit keinen Fehler, außer dem gravierenden, der unterlassenen Hilfeleistung, der Bewusstlosen oftmals das Leben kosten kann.
    Wenn jemand nicht mehr atmet, dann ran! 30 : 2, 30 mal Herzdruckmassage (ohne Rücksicht auf gebrochene Rippen), dann 2 mal Beatmen (ohne Rücksicht auf Erbrochenes oder Hygiene).
  5. Abendeinlage: Wanderboote fassen um 19:00 am KKR Bootshaus am Simssee, vier km mit heftigem Rückenwind zu den Seestuben in Krottenmühl. Nach dem Schmausen erwartete uns eine windstille, romantische Rückfahrt in der Dunkelheit zum Bootshaus.

    -Sonntag-
  6. Planung und Durchführung einer Fahrt:
    Sauwetter, die besten Flüsse noch jahreszeitlich gesperrt, s.o., die anderen haben Hochwasser.
    Wir verlegen uns auf das Planen. Heraus kommen drei minutiös geplante Touren:
  • Vier Tage, Chioggia, Venedig, Lido und Burano; anspruchsvoll und eindrucksvoll...
    - Zwei Tages Gepäck- und Genusstour auf der Donau, zwischen Biergärten, Durchbrüchen, Klostern und Fischbratereien...
    - Zwei Wochen Familien Ferienfahrt im südlichen Norwegen auf dem Telemarkkanal.

Alle waren mit Herzblut dabei, 1 mal 1 war easy / 30 zu 2 haben alle schon mal gehört, aber oft vergessen...

Mein Fazit: Ich kann viel sein lassen, dann gehe ich kein Risiko ein. Ich kann mit Sorgfalt und Verstand, Mut und Engagement andere Gleichgesinnte mit auf das Wasser nehmen. Ihnen Räume anbieten, einladen sich darauf einzulassen.

Nach-denken, muss jeder für sich.

Dann machen wir es!

Michael Blendl (Kajak-Klub Rosenheim)

Fotos: Moritz Mitterbacher

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