Der Fluss ruft! Grund- und Aufbauschulung für Erwachsene bis WW III in Lienz.

Mitten in den Alpen, eingebettet zwischen den mächtig aufragenden Gipfel der Lienzer Dolomiten und Hohen Tauern, haben sich einige unerschrockene Paddler eingefunden. Sie stellten sich den Herausforderungen von Drau und Isel, auch wenn den einen oder anderen angesichts der zahlreichen Steine und scharfen Kehrwässer eine gewisse Ehrfurcht packte. Doch wen der Fluss einmal gerufen hat, den holt er sich auch.....

         Nicht der Watzmann, sondern der Fluss ruft jedes Jahr an Christi Himmelfahrt die Paddelgemeinde der legendären Bernd-Sachs-Kurse in die Berge. Manchem der (Mehrfach-)Teilnehmer war der Kursort Lienz noch vom letzten Mal in sehr frischer Erinnerung, mit Einstiegen bei leichtem Schneetreiben, hohen Pegelständen und einem sehr flauen Gefühl beim Blick auf die zügig strömende Drau … doch dieses Mal war vieles – aber nicht alles – anders.

Wie strömt's von der Höh'?

Zum einen war das Wetter geradezu unglaublich gut. Statt klammer Neos und schlotternden Knien gab es Sonne und Sunblocker satt. Teilweise sahen sich einige Paddler auf Isel und Drau sogar zu einer sogenannten „Erfrischungsrolle“ genötigt, da die Temperaturen definitiv im überaus positiven zweistelligen Bereich lagen – und so kam man beim Kehrwasserfahren, Seilfähre üben, Walzen bezwingen und Stufen springen tüchtig ins Schwitzen.

Die kleinen Gruppen und ihre Übungsleiter hatten es dieses Mal zum anderen mit eher wenig Wasser zu tun, sodass einige der üblichen Flussstrecken nicht gefahren werden konnten – weswegen auch die berühmte Gailtalerin aufgrund mangelnden Wassers dieses Jahr keinen Auftritt hatte. Aber Drau und Isel boten für jeden Geschmack und jedes Können ausreichend Abschnitte, vom eher leichten Wildwasser ab dem Kosackenfriedhof (wo die bekannte „Ohjeh,Ohjeh“-Brücke dieses Jahr zur „Ist das hübsch hier!“-Brücke mutierte) bis hin zum sportlichen Run zwischen dem Raft-Einstieg bei Huben und St. Johann auf der Isel, der einigen fortgeschrittenen Teilnehmern an den letzten Kurstagen ein Dauergrinsen ins Gesicht zauberte. Auch Anfänger und Genusspaddler kamen voll auf ihre Kosten, mit einem wunderbaren Naturslalom auf der Isel, freundlichen Surfwellen und geduldigen Trainern, die viel lobten, erklärten, korrigierten und bei Bedarf Mensch und Material wieder sicher ans Ufer schafften. Und so stieg die Laune von Tag zu Tag immer mehr...

Wir kummen olle no dran...

Neben dem richtigen Kanten, dem Unterschied zwischen Bogen- und Vorwärtsschlag sowie flacher und hoher Stütze übten die Teilnehmer auch fleißig außerhalb des Wassers, worauf es beim Paddeln ankommt. Vom Wurfsackwerfen über das Bergen eines Bootes bis zum Check des Equipments wurde vieles geübt, was auf dem Fluss wichtig ist. Zusammenarbeit (beim Befüllen eines Wasserrohrs mit Bechern), Vertrauen (mit verbundenen Augen führen lassen) und Kommunikation (beim Bewältigen eines Hindernisparcours ohne Worte) waren einige der Teamaufgaben, die die Teilnehmer zu bewältigen hatten – und insgesamt recht ordentlich meisterten. Natürlich gab es auch ein kleines Grillfest (vielen Dank an die Helfer, die die hungrigen Paddler mit leckeren Salaten und Grillgut versorgten) und ein gemeinsames Essen, bei dem auch die „E-Be-Be-s“ – also die Europäischen Paddlerpässe – vergeben wurden, sofern die Teilnehmer vorher das nötige Wissen zu Technik, Sicherheit und Umweltschutz nachweisen konnten. Zum Abschluss gab es dann noch jede Menge Paddlergarn zu spinnen, und auch die eine oder andere musikalische Darbietung „für echte Kenner“...

Aussi, aussi – muas eam aussikriag'n!

Am letzten Tag war dann nochmal voller Einsatz gefragt: Bei der Sicherheitsübung mussten heftig winkende und passiv treibende Schwimmer aus der Drau „gerettet“, Springersicherungen aufgebaut und ausgeführt, Wurfsäcke geworfen (und wieder gestopft) werden – und das alles bei immer noch strahlend blauem Himmel und bestem Badewetter. Kein Wunder, dass es zahlreiche Freiwillige für die Rettungsübungen gab – und die Übungsleiter sehen mussten, dass alle ihre Wasserratten pünktlich zur gemeinsamen Verabschiedung wieder am Campingplatz waren. Selten so gern so viel geschwommen...

Am Ende gab es tosenden Schlussapplaus für vier tolle Tage in und am Bach – danke nochmal an: Bernd und Carola (wie immer die Beste), Jule (das nächste Mal nehmen wir ein größeres Wasserrohr, WR IV+), alle Übungsleiter, das Rufen des Watzmanns (für die Gesangseinlagen) und nicht zuletzt auch an Teutates (für's nicht weinen). Ihr seid Spitze!

Kerstin Purucker

Zurück zur Übersicht