DM Kanurennsport: Stars und Sternchen

Die deutschen „Stars“ im Kanurennsport werden bei den Deutschen Meisterschaften vom 29.8. bis 3.9.2017 auf der Olympia-Regattastrecke in Oberschleißheim um Sekt oder Selters kämpfen. Wohl eher um Sekt – Selters werden Ronny Rauhe & Co. vermutlich eher ihren Konkurrenten überlassen. Aber wann ist man im Kanusport ein „Star“? Wie viele Olympische Goldmedaillen muss man dazu gewonnen haben? Acht, wie die legendäre Birgit Fischer (sie wird in den ersten Tagen als Gast in München sein). Oder reicht es, trotz jungen Alters der Shootingstar und Sonnyboy einer ganzen Sportler-Nation zu sein?

Ronny Rauhe ist zweifellos seit vielen Jahren schon so ein „Star“, ein Vorbild für alle Kanurennsportler in ganz Deutschland, obwohl er nicht eine einzige Olympische Goldmedaille sein eigen nennen kann – dafür aber seit dem letzten Wochenende 14 Weltmeister-Titel!

Anders die Bilanz des großen Canadier-Spezialisten Sebastian Brendel: 3 x Olympisches Gold, 5 Siege bei den bisherigen Weltmeisterschaften (letztes Wochenende kamen noch einmal drei WM-Titel dazu), 9-facher Europameister – der Name dieses Sportlers zergeht jedem Kanusportler auf der Zunge. Oder Max Rendschmidt, bis Rio mehr oder weniger nur Insidern bekannt. Seit seinem Doppelsieg bei den Olympischen Spielen 2016 liegt Gold nicht nur in seinem Strahlegesicht, sondern ziert auch die Wand seiner Wohnung.

Fit gemacht auf der Olympiastrecke

Sie und ihre Teamkameraden Franziska Weber, Tina Dietze, Max Hoff, Tom Liebscher etc. gehen ab Mittwoch auch in Oberschleißheim auf Titeljagd. Sie kommen wie die komplette Nationalmannschaft direkt von den Weltmeisterschaften in Račice/Tschechien – mit aktuell sechs neuen Titeln im Gepäck. Der Deutsche Kanu-Verband war damit der erfolgreichste bei der WM. In Oberschleißheim starten sie jedoch nicht für Deutschland, sondern – gegeneinander, statt miteinander!!! - für ihre Heimatvereine, die in der Regel eher in Brandenburg oder Nordrhein-Westfalen zu finden sind – in den ganz großen Kanuzentren.

„Große Kanuzentren“ gibt es in Bayern nicht. Selbst die einzige national wettkampffähige Regattastrecke in Oberschleißheim ist noch immer nicht ganz „gerettet“. Sie wurde 1972 zu den Olympischen Spielen in München für die Wettkämpfe im Kanu- und Rudersport gebaut. Ob sie erhalten bleibt und – was dringend notwendig ist – modernisiert wird, darüber wird voraussichtlich Ende 2018 der Münchner Stadtrat entscheiden. Dabei hat diese Strecke noch immer das ganz besondere Wasser, auf dem u. a. der Deutsche Kanu-Verband seine „Stars“ in Trainingslagern so erfolgreich fit macht für Weltmeisterschaften und Olympische Spiele.

Auch der Bayerische Kanu-Verband nutzt diese Olympische Anlage für Trainingslager mit seinen Kader-Athleten – mit den „Sternchen“, die Olympisches Gold noch zu ihren ganz großen Zielen zählen. Bei dem ein oder anderen stehen die Chancen dafür auch gar nicht einmal schlecht. Wie z. B. bei dem Münchner Nico Paufler, dessen sportliche Grundlagen für eine kometenhafte sportliche Laufbahn auf der traditionsreichen Regattastrecke in Oberschleißheim gelegt wurden. Aber er „wanderte“ wegen der besseren Perspektiven nach Karlsruhe ab. Im letzten Jahr gewann er bei den Deutschen Meisterschaften im Junioren-Bereich zweimal Gold. Dieses Mal muss er sich in der Leistungsklasse direkt gegen Rauhe & Co messen. Sein Ziel: die Teilnahme an den Olympischen Spielen …

Den Weg zu den Rheinbrüdern Karlsruhe schlugen noch andere ehrgeizige bayerische Kanurennsport-„Sternchen“ ein, nicht immer mit durchschlagendem Erfolg. Ken Pfeiffer allerdings, der seine DM-Medaillen (1 x Gold, 3 x Silber im Jahr 2015, 2016 1 x Bronze) bisher für die WSG Kleinheubach eingefahren hat, steht inzwischen im Nationalteam und hat aktuell Bronze bei der Junioren-Europameisterschaft gewonnen. Die Prognose auf mehrere DM-Titel für ihn jetzt in Oberschleißheim dürfte nicht ins Reich des Fabulierens abzutun sein.

In die Natio gefahren

Wobei aus einem „Sternchen“ auch ein „Star“ werden kann, wie z. B. die 23-jährige Melanie Gebhardt aus Hof, die schon mit 15 Jahren am Sportgymnasium in Leipzig ihre Chance sah und nutzte. Seit 2011 paddelt die Sportsoldatin in der deutschen Nationalmannschaft und kam aktuell mit Silbermedaille von den Weltmeisterschaften nach Hause.

Oder wie Carola Schmidt, die 2015 wegen der besseren Trainingsmöglichkeiten vom Neuburger Ruder-Club zu den Rheinbrüdern Karlsruhe wechselte und sich dort schnell in die „Natio“ gefahren hat. Nach Gold und Silber bei der U23-Europameisterschaft 2016 erkämpfte sie kürzlich im K1 Damen über 1000 m die Vize-Weltmeisterschaft in den U23-Wettbewerben.

Alle diese „Sternchen“ oder angehenden „Stars“ sind ihren Heimatvereinen bis heute stark verbunden und freuen sich darauf, sich gerade jetzt bei den Deutschen Meisterschaften in Oberschleißheim im Kreis ihrer Sportkameraden aus der Heimat wieder wohlfühlen zu können und bei ihren Rennen von ihnen angefeuert zu werden. Ganz ohne „Star-Allüren“.

Text + Archivfotos: Uschi Zimmermann

Hier gibt es das Programm der DM Kanurennsport

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