Bayern jubelt: WM-Gold für Sideris Tasiadis

Augsburg. Was für eine Stimmung – was für ein Jubel! Mehr könnte selbst im Fußballstadion des FC Bayern München nicht sein!!! Und dann gewinnt erst Andrea Herzog den WM-Titel, ein Rennen später der Augsburger Sideris Tasiadis. Zudem holt Franz Anton Bronze. Die Lautstärke am erneut ausverkauften Eiskanal lag schlagartig außerhalb jeglicher Norm.

Es waren die Kanuslalom-Weltmeisterschaften der Superlative für die Deutschen in Augsburg. „Es ist unsere WM auf unserem Kanal hier in Augsburg. Es ist unser Wasser“, hatte Cheftrainer Klaus Pohlen sein Team am Abend vor den Wettkämpfen angefeuert. Heute ging das Sommermärchen im Canadier-Einer der Damen und Herren weiter. Andrea Herzog (Leipziger KC), Tokio-Olympiadritte und Weltmeisterin 2019, paddelte zu Gold. Der Augsburger Kanu-Schwabe Sideris Tasiadis machte seinen Traum wahr, wird Weltmeister vor einem tobenden heimischen Publikum und Teamkollege Franz Anton, Weltmeister 2018, vom Leipziger KC paddelte zu Bronze.

Fast zerrissen

Für Tasiadis ist es der Titel, der in seiner großen Sammlung noch fehlte. „Geil, jetzt ist er da und das auch noch daheim. Das in Worte zu fassen, ist nicht so einfach.“, sagte der 32-Jährige jubelnd. Dabei war es schwer, sich vor dem Start überhaupt zu konzentrieren: „Drei Sekunden vor meinen Start haben die Leute mich schon angefeuert, da war ich kurz aus meinem Konzept“, erzählte er. „Ich habe versucht, bei mir zu bleiben. Das war ein bissel anstrengend. Mich hat es fast zerrissen da oben.“

Tasiadis war als Drittletzter auf die Strecke gegangen, beim Überfahren der Ziellinie war klar, eine Medaille ist es. Teamkollege Franz Anton war als Halbfinalschnellster zuletzt am Start. Er hatte einen fabelhaften Lauf im Semifinale gezeigt, nahezu perfekt. Im Endlauf paddelte der 32-Jährige etwas verhaltener dann zu Bronze. Im Vorfeld der WM hatte er im Spaß gesagt: „Vielleicht nehme ich mir mal vor, Sideris auf seiner Heimstrecke zu schlagen, das ist mir bisher noch nie gelungen.“ Voller Freude über den dritten Platz sagte er dann lachend: „Ich kann schneller fahren als Sideris. Im Halbfinale war ich schneller. Ich habe es nur nicht im Finale gemacht. Aber mit Sidi auf dem Podium – was will man mehr.“ Tasiadis ergänzte noch: „Jetzt haben wir uns abgewechselt. 2018 war Franz Weltmeister und ich Dritter.“ Silber ging an Alexander Slavkovsky aus der Slowakei.

Kurz vor dem Männerrennen raste Andrea Herzog zu Gold. Trotz einer Torstabberührung, verbunden mit zwei Strafsekunden, konnte sich die 22-Jährige vor Jessica Fox aus Australien schieben. Bronze ging an die Britin Mallory Franklin. Die Leipzigerin musste als zwischenzeitlich Führende noch zwei weitere Starterinnen abwarten. Das Warten in der Leaderbox, so sagte sie, seien harte Minuten gewesen. „Mein Einstieg von Tor eins zu zwei war nicht so perfekt. Ich hatte einfach keine Welle, die mir geholfen hat. Jess ist dann genau das Gleiche passiert, sie hat sich dann aber super gefangen. Und an Tor 14 hatte ich eine blöde Berührung, die einfach nicht hätte sein müssen. Aber den letzten Abschnitt bin ich richtig gut gefahren.“ Der Sieg, so meinte sie, „vor dem mehr oder weniger heimischen Publikum ist natürlich unfassbar.“

Lilik und Trummer im Halbfinale ausgeschieden

Die beiden anderen deutschen HalbfinalistenElena Lilik (KS Augsburg) und Timo Trummer (KV Zeitz) konnten sich nicht für den Endlauf der besten Zehn qualifizieren. Trummer schied als Halbfinal-26. bei acht Strafsekunden aus. Die C1-Weltmeisterin von 2021, Elena Lilik, verpasste als Halbfinal-16. den Endlauf. „Ein bisschen enttäuscht bin ich. Nach dem Weltmeistertitel letztes Jahr hätte ich gern noch im Finale performed. Aber es ist überhaupt nicht schlimm. Ich hatte meinen magischen Moment gestern und auch über die ganze Woche“, sagte sie. Die Strecke war im Canadier definitiv schwerer zu fahren als im Kajak. „Man musste mehr taktische Rückschlüsse ziehen. Es ist mir nicht ganz so gut gelungen, den Plan umzusetzen. Nach dem Tag gestern hatte einfach die Konzentration nachgelassen.“

Die dritte deutsche Canadierfahrerin, Nele Bayn (Leipziger KC), war bereits in den Qualifikationsläufen am Freitag gescheitert.

Nach den Kanuslalom-Disziplinen zog Cheftrainer Klaus Pohlen eine erste Bilanz: „Ich bin komplett geplättet. Ich kann es gar nicht so ganz fassen und einordnen. Aber ich möchte diese Erfolge vor allem diesem fantastischen Publikum widmen. Wie die unsere Leute hier runtergeschrien, runtergetragen haben, das war sensationell. Und dann ein Riesendank an mein Trainerteam Felix Michel, Thomas Apel, Thorsten Funk und Paul Böckelmann. Das haben die Jungs supergut gemacht. Das Team lebt. Wir haben auch gute Trainingswissenschaftler und Physiotherapeuten. Und noch einmal einen ganz großen Dank an unseren Doc, der in den schweren Coronazeiten uns immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Riesenkompliment auch der Organisation hier, das war nicht so einfach in den letzten 14 Tagen, was hier geleistet werden musste.“

Mit den Medaillenerfolgen gewann Deutschland auch die Nationenwertung bei der Heim-WM in Augsburg.

Text: Uta Büttner/Redaktion - Fotos/Video: Uschi Zimmermann

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