Mehrfach Silber und Bronze bei Jun-/U23-WM

Roudnice nad Labem/Tschechien. Von einer Platzierung unter den Top 15 der Welt hatte Philipp Bluhm (TG München) höchstens in ganz verwegenen Träumen zu träumen gewagt… Aber er war stark und feierte am Ende das unglaubliche Ergebnis: 1 x Silber und 3 x Bronze!!! Auch den Rosenheimerinnen Maria Weber und Christina Massini gelangen in ihren Mannschaftsrennen die Vizemeisterschaft und eine Bronzemedaille.

Im Junioren-Classicrennen erreichte das Trio Philipp Bluhm - mit Paul Denhof (Köln) und Pablo Calliet auf je einer Seitenwelle – mit Bestzeit das Ziel. Als Drittletzte gestartet, mussten sie nicht lange auf das Endergebnis warten: Die nach ihnen gestarteten Slowenen waren drei Sekunden langsamer, die favorisierten Tschechen gewannen mit nur 6 Sekunden Vorsprung. Es blieb bei Silber!

Bronze im Classic Einzel

Gewitter mit Sturmböen waren gemeldet, und so wurde der Start mehrmals um mehrere Stunden verschoben. Auf der brettlebenen Strecke auf der Elbe fuhr der Münchner im Classicrennen auf der Ideallinie (mangels Strömung der kürzester Weg …), angefeuert von manchen Schlachtenbummlern und einem auf Singletrails durch mannshohe Brennnesseln radelndem Trainer, dem Slalomkanal am Ende der Strecke entgegen.

Auch den Kanal durchpaddelte er dank der guten Linie ohne größere Stopper und kam mit Bestzeit ins Ziel. Doch jetzt begannen 16 Minuten bangen Wartens, was die Zeit von 15:55.96 am Ende wert sein sollte. Ungläubig staunte Philipp, als einer nach dem anderen mit einer schlechteren Zeit ins Ziel kam. Als dann der drittletzte Starter, der Vorjahresdritte Tjas Til Kupsch (SLO), 6 Sekunden hinter Philipp lag, ertönte ein Freudenschrei. Philipp war die Bronzemedaille sicher! Es sollte die einzige Einzelmedaille für das deutsche Team bleiben.

Schneller waren letztlich nur der Lokalmatador und Vorjahressieger Matyas Novak auf Platz 2 und der Sieger Lean Bogearts (Belgien). Beide sind ein Jahr älter als der Münchner. Der zusätzliche Erfolg für Philipp war ein Start mit der Junioren- UND der U23-Mannschaft.

Junioren-Team am Ziel der Träume

Nach vier Renntagen ging die Junioren-Sprintmannschaft mit Philipp Bluhm, Nicolas Niederle-Gomez (KC-Düsseldorf) und Pablo Calliet (für Celle startend) recht angespannt und vielleicht auch etwas ausgelaugt in die Sprintrennen. Pablo fuhr auf dem üblichen rechten Weg vor, Philipp hinterher. Nicolas nahm als stärkster Sprinter die nicht so oft trainierte linke Route, um die Mannschaft kompakt zu halten und um mit genügend Platz am zweiten Mannschaftsfahrer am Ziel vorbeizufahren.

Pablo und Philipp erwischten die Ideallinie, wobei Philipp kurz vor dem Ziel Pablo sogar fast einholte. Der zweite Lauf des Tages ist bei Philipp im Sprint offenbar doch immer der Beste… Nicolas hatte etwas Pech, fuhr über den letzten Abweiser und kam mit etwas Abstand zu den beiden anderen ins Ziel.

Am Ende reichte die Zeit für eine weitere Bronze-Medaille für das deutsche Team. Dabei profitierten sie auch davon, dass die starken Franzosen sich mit einer Wandberührung und Eskimorolle aufhielten und die haushohen Favoriten aus Tschechien schon im oberen Teil eine längere Pause auf einem Abweiser einlegten. Fehlerfrei kamen auf der anspruchsvollen Strecke nur die Slowenen herunter, die knapp vor den ebenso fehlerlosen Italienern siegten.

Mit Überholvorgängen

Viel Zeit zum Jubeln blieb Philipp nach dem Classic-Juniorenmannschaftsrennen nicht. Etwa eine Stunde nach dem Juniorenteam ging es mit der U23 Mannschaft mit Linus Becker (Köln) und Tobias Zimmermann (Celle) ins Classic-Rennen. Nach dem „Warmfahren“ im Juniorenrennen musste er hier aber nicht die ganze Zeit führen. Etwa 75 % der Strecke paddelte er auf einer Höhe mit Tobias mit Linus auf der Doppelwelle, für den Rest der Stecke durfte er sich auf Linus‘ Welle ausruhen.

Dank der „Wanderfahrt mit Sprinteinlage“ des dritten U23-Fahrers im Einzelrennen hatten die Deutschen einen relativ schlechten Startplatz. Kurz vor der Einfahrt mussten sie im Wildwasserkanal noch zwei vor ihnen gestartete Mannschaften überholen. Bestzeit im Ziel war mit diesem Startplatz erst einmal vorprogrammiert. Jetzt dauerte das Zittern etwas länger, denn es folgten noch sieben Mannschaften. Fünfmal durfte gejubelt werden, dann stand das Ergebnis fest: Belgien gewann vor Tschechien. Das bedeutete eine weitere Bronzemedaille für Philipp!

In der Sackgasse

Im Einzel-Sprintfinale, das er mit einem fast perfekten zweiten Qualifikationslauf erreichte, fuhr Philipp Bluhm stark los, doch schon im oberen Wildwasserabschnitt schlichen sich kleine Fehler in die Fahrroute ein. Einmal abseits der Ideallinie wurden die Fahrfehler immer mehr, bis er schließlich an der gefürchteten Abschlusswalze vorbei in die Sackgasse vor einem Abweiser am Ufer fuhr.

Das Anhalten, Zurücksetzen und Weiterfahren kostete so viel Zeit, dass er bei seiner ersten Weltmeisterschaft am Ende den letzten Platz im Finale der besten 15 Junioren der Welt belegte.

Freude bei den U23-Damen

Auch Maria Weber und Christina Massini, beide KK Rosenheim, strahlten über eine Silbermedaille im Sprint der U23-Kajak-Mannschaft und über Bronze im Classic-Team-Wettbewerb. Im U23-Sprint der K1-Damen belegte Christina den hervorragenden 5. Platz, 0,6 Sekunden vor Maria die damit den 7. Platz belegte.

Im Classic-Einzel war dann Maria mit Rang 8 schnellste deutsche Starterin, während Christina auf Platz 13 ankam.

Text: Jesko Klammer/Redaktion / Foto: Bastian Kaddick

Ergebnislisten unter https://www.canoeicf.com/wildwater-canoeing-world-championships/roudnice-nad-labem-2023/results

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