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Nach überstandenem Theorie-Lehrgang im April hatten wir im August noch eine Woche Praxis vor uns. Wir, 26 Wildwasser-Breitensportler, darunter drei Canadierfahrer. Erstmals fand in diesem Jahr ein ÜL-Lehrgang speziell auch für Canadierfahrer statt.
Richtig los ging’s mit erst mal zwei Stunden Theorie. „Sicherheit im Kanusport“ stand auf dem Lehrgangsprogramm. Bereits vorhandenes Wissen wurde vertieft und natürlich auch ein bisschen Neues gelernt. Kurz vor Mittag befuhren wir alle gemeinsam den Inn von Haiming bis Silz (WW 1 bis 2). Auf dieser Strecke sollten wir auch schon unsere ersten Führungsaufgaben wahrnehmen.
An der imposanten Silzer Welle genossen (zumindest die Kajaker) eine Einführung ins Kanu-Freestyle. Aber ich ließ mich auch nicht davon abhalten, die Welle sowohl mit dem OC1 als auch mit einem Kollegen zusammen im OC2 zu bezwingen – oder bezwang die Welle uns? In so einen Canadier passen trotz riesiger Auftriebskörper einige Liter Wasser rein ... In kleineren Gruppen, wurden zusätzlich erste Übungseinheiten für Grundlagentraining abgehalten. Den Tag beschloss ein Referat zum Thema „Besonderheiten bei Fahrten mit Kindern und Jugendlichen“.
Ein nasser Tag
Für Montag, Dienstag und Mittwoch stand jeweils die Befahrung des Inns im Engadin/Schweiz auf dem Programm. Dies sorgte schon am ersten Tag für Proteste bei den Teilnehmern. Jeden Tag gut 200 km und ca. drei Stunden mit dem Auto fahren. Die Lehrgangsleitung änderte daraufhin das Programm für Montag: Wir fuhren an die Brandenberger Ache. Somit blieben wir zwar in Österreich, aber die Fahrstrecke blieb trotzdem bei gut 170 km. Eine Verbesserung war das nicht wirklich.
An der Brandenberger Ache standen praktische Übungen zum Retten und Bergen sowie Fahren im Komplementärboot auf dem Plan. Es wurde also ein nasser Tag. Die Übungsstellen waren zwar sehr schön, aber für den Materialtransport eher ungünstig gewählt. Wurfsackwerfen, Springerrettung und Retten vom Boot aus – das bedeutete für uns Schwimmen, Schwimmen und noch mal Schwimmen. Es machte aber sehr viel Spaß, und nebenbei haben wir auch noch was gelernt. Der eine oder andere Schwimmer schwamm aber schon mal ein Stück weiter als geplant …
Riesige Sandkörner
Für viele mit mulmigem Gefühl in der Magengegend erwartet, war das Fahren im Komplementärboot. Die Kajakfahrer mussten Canadier fahren und die Canadierfahrer Kajak. Und das gleich im richtigen Wildwasser. Das Ganze ging aber unerwartet gut. Nur ab und zu ging mal eine Canadierbesatzung baden. Vorwiegend wurde auch in kippstabilen OC2 gefahren und weniger in kippeligen WW-OC1. Auch an diesem Abend wurde es mit Wetter- und Kartenkunde noch mal theoretisch.
Am Dienstag fuhren wir ins Engadin in die Schweiz. Die Scuol-Schlucht bis in den Stausee von Pradella wartete mit 9 km WW 3 bis 4 auf uns. Bei dieser Übungsfahrt ging es hauptsächlich darum, Führungstechniken zu schulen und zu üben. Konnten die Kajakfahrer alle Stellen befahren, mussten wir Canadierfahrer doch die eine oder andere 4-er Stelle umtragen. Die erste erschien mir nach Besichtigung sicher befahrbar – hat auch wunderbar geklappt. Meine beiden Kollegen wuchteten ihr Boot über die Steine.
Zwei weitere 4-er Stellen umtrugen wir geschlossen. Besonders die letzte an der Prallwand kostete uns viel Zeit. Von ein paar ortskundigen Kajakfahrern unter unseren Ausbildern hatten wir die Info, dass die Stelle rechts gut über die Sandbank zu umtragen wäre. Allerdings hatten die Sandkörner einen Durchmesser von 50 bis 100 cm ... Als letzte Gruppe erreichten wir den Ausstieg am Stausee und wurden dort schon sehnsüchtig erwartet … Wir kamen erst relativ spät zurück nach Haiming. Der Koch war uns aber gut gesonnen und deshalb bekamen wir auch noch ein wunderbares Abendmenü.
Gemütliches Wildwasser
Einer meiner beiden Stechpaddelkollegen hatte sich bei einer Kenterung auf der Scuol-Strecke den Daumen geprellt und setzte die nächsten beiden Tage aus. Dafür nahmen wir einen Kajakfahrer in unsere kleine Gruppe auf, der sich bei den Rettungsübungen auf der „Brandy“ den Fuß verdreht hatte. Am vorletzten Praxistag befuhren die Kajaker noch mal den Inn im Engadin, diesmal die Giarsun-Schlucht. Auch dieser Abschnitt bewegt sich im WW-Bereich 3 bis 4.
Für uns Canadierfahrer hatte sich unser Ausbilder einen leichteren Abschnitt des Inns ausgesucht. Wir befuhren die letzten 10 km vor Beginn der Imster Schlucht im gemütlichen WW 1 bis 2. Auch an diesem Tag wurde hauptsächlich Wert auf die richtige Führungstechnik und ordentliches Vermitteln von Paddeltechnik gelegt.
Gefilzt
Eigentlich lief alles glatt. Nur ein Auto kam mit über einer Stunde Verspätung aus der Schweiz zurück. Die jungen, coolen und rauchenden Kappenträger wurden von den Schweizer „Grenzern“ gefilzt. Außer stinkenden Neoklamotten gab es für den Spürhund aber nichts zu finden. Nach dem Abendessen bekamen wir noch eine Theorieeinheit zum Thema „Umweltgerechter Kanusport“.
Für Donnerstag stand noch eine Übungsfahrt mit Lehrübungen, Führungsfahrten und Unfallsimulation auf dem Lehrgangsprogramm. Geplant war die Befahrung der Unteren Ötz (Kajak) und der Imster Schlucht (Canadier).
Hohe Wellen und tiefe Löcher
Durch die anhaltenden Regenfälle in den letzten Nächten war der Pegel der Ötz aber zu hoch, und so kamen auch die Kajakfahrer an den Einstieg zur Imster-Schlucht. Aber auch die Imster war gut eingeschenkt! Ein Pegel von 380 cm bei Magerbach bescherte uns ordentlich Wellen und Wasserwucht. Im Laufe unserer Fahrt schwoll der Pegel noch weiter an und schob ordentlich von hinten.
Wir hatten nicht nur mit den großen Wellen (teilweise über 2,50 Meter hoch) und tiefen Löchern, sondern auch mit jeder Menge Holz zu kämpfen. Kleine Äste, aber auch jede Menge Baumstämme und ganze Wurzelstöcke, schwammen neben uns den Inn runter. Kehrwasserfahren war kaum möglich, da es einfach keine gab.
Ketchup-Mann
An der Ötz-Mündung wurden die Gruppen neu eingeteilt, und wir fuhren im Abstand von ca. 15 Minuten weiter. Es wartete noch eine aufgebaute Unfallstelle auf uns. In einem Kehrwasser wurde ein auf dem Süllrand liegendes Kajak, eine Puppe mit dem Kopf im Wasser schwimmend und ein Paddler mit Ketchup im Gesicht platziert. Ziel dieser Übung war es, das Kajak umzudrehen (evtl. hängt ja noch jemand drin), die Puppe aus dem Wasser zu ziehen und evtl. zu reanimieren und den „Ketchup-Mann“ zu versorgen. Natürlich musste auch noch zügig ein Notruf abgesetzt werden.
Unsere Gruppe hatte an dieser Stelle aber gerade andere Sorgen, da unser Ausbilder unfreiwillig seinen Canadier verlassen hatte. Und somit ging diese Übung an uns vorüber. Mein Stechpaddelkollege und ich beschlossen an dieser Stelle die Fahrt für uns zu beenden – bei diesem Wasserstand konnten wir uns im Canadier weder an Rettungsübungen beteiligen noch hatten wir die Chance irgendwo kurzfristig zu reagieren. Und durch das schwimmende Holz war das Ganze auch nicht gerade ungefährlich.
Prüfung
Wir meldeten uns ordnungsgemäß ab und trugen unsere Boote ca. 100 Meter durch den Wald, bis wir auf einen Fahrradweg stießen. Von dort marschierten wir in leichter Kleidung ca. 2 km bis nach Haiming. Unser Ausbilder bescheinigte uns später, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Abends gab es die obligatorische Feedbackrunde für die abgelaufene Woche, Infos zur bevorstehenden Prüfung und die Losung der Themen für die Lehrproben.
Am Freitag fuhren wir nach Oberschleißheim ins Leistungszentrum der Rennsportler. In Oberschleißheim trafen wir auch wieder auf die Leistungssportler. Denn wir traten alle gemeinsam am Samstag zur schriftlichen Prüfung an.
Die schriftliche Prüfung in „Fachtheorie II“ fand für alle Sparten in spezifischer Form statt. Für uns Breitensportler waren das die Bereiche Sicherheit, Führungstechnik und Umwelt. Am Nachmittag fuhren wir Breitensportler dann an die Floßlände, um unsere Lehrproben und die mündliche Prüfung „Umweltgerechter Kanusport“ zu absolvieren.
Beim gemeinsamen Abschlussabend wurden die Prüfungsergebnisse bekannt gegeben und der EPP Stufe 4 überreicht. Auf die Übungsleiter-Lizenzen müssen wir aber noch ein bisschen warten, diese werden vom BLSV erstellt und verschickt.
Leider konnten nicht alle ausgiebig mitfeiern. Zwei Teilnehmer mussten am Sonntag in die mündliche Prüfung, einer muss die schriftliche Prüfung wiederholen, und zwei haben die Lehrprobe nicht bestanden.
Fazit
Es war eine schöne, lehrreiche Woche mit einem erfolgreichen Abschluss für uns. Die Ausbildungswoche war gut und straff organisiert, das Essen in Haiming war, außer den täglichen „Gummibrötchen“, sehr gut.
Nicht so gut kamen bei den Teilnehmern die langen Fahrten an die Brandenberger Ache bzw. ins Engadin und die Komplementärbootfahrten auf der „Brandy“ an. Diese hätten besser auf dem Inn auf der Strecke von Haiming nach Silz abgehalten werden sollen. Selbst der Standort Haiming wurde aufgrund der Flussauswahl in Frage gestellt. Auch nicht ganz so optimal war die Auswahl der Gewässer für die Canadierfahrer. Wobei ich auf der Scuol-Strecke schon meinen Spaß hatte ...
Ich finde es sehr gut, dass der BKV einen Übungsleiterlehrgang auch für Canadierfahrer angeboten hat und somit die Stechpaddelfraktion stärkt, auch wenn noch einiges verbesserungswürdig ist. Für einen ersten Lehrgang war das aber trotzdem schon gut. Aufgrund der Anregungen wird sich das BKV-Lehrteam sicherlich zusammensetzen und an Optimierungen feilen.
Gerhard Loch, Bamberg

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