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Alternative Lehrmethode "Linx" als Fortbildungsthema
Königsdorf. Unter der Überschrift "Alternative Lehrmethodik im Kanusport" war die Übungsleiter-Fortbildung im Ausbildungsprogramm angekündigt.
Karoline Steinmann und Wolfgang Koller aus Versam am Vorderrhein in der Schweiz sollten ihre Lehrmethode "Linx" in Theorie und Praxis den 18 Lehrgangsteilnehmern präsentieren.
Für den Einstieg in das Thema wählten die Referenten Meditation, eine "Reise ins eigene Sein". Es brauchte wohl das ganze Wochenende, bis wir den Zusammenhang zwischen diesem Einstieg und dem eigentlichen Thema verstanden hatten. Nicht nur ich selbst hatte zunächst einmal meine liebe Mühe damit, zu begreifen, was diese zugegebenermaßen entspannende Meditation mit "Lehren und Lernen im Kanusport" zu tun haben sollte.
Was passiert
Am Samstag wurde aber alles schon klarer für uns. Die Methode Linx basiert auf Feldenkrais und wurde von Karoline Steinmann, einer ausgebildeten Feldenkraislehrerin und Schweizer Kanulehrerin, entwickelt. Seitdem finden in Versam jedes Jahr viele Kanusportkurse sehr erfolgreich statt, bei denen ausschließlich Linx zum Einsatz kommt.
Sofern man die Methode Linx überhaupt in einem oder zwei Sätzen beschreiben kann, würde ich das wie folgt tun: Du machst eine dir geläufige Bewegung und stellst dabei fest, was an deinem Körper sich alles sonst noch bewegt und passiert und setzt das Ganze dann auf den Kanusport um.
Verdeutlicht
An zwei Beispielen wurde das während des Lehrgangs durch die Referenten eindrucksvoll verdeutlicht: am ganz normalen Vorwärtsschlag und beim Ausschlingen aus einem Kehrwasser in die Strömung. Geübt wurde erst mal auf einem See, um das Ganze auf der Isar zwischen Sylvensteinsee und Fleck zu vertiefen.
Wählt man die klassische Lehrmethode, dann muss man beim Herausfahren aus einem Kehrwasser in die Strömung einiges beachten: Anfahren, Beschleunigungsschlag zum Überwinden der Mischzone zwischen Strömung und Kehrwasser, Aufkanten, Stützen, Hüfteinsatz und ... und ... und ... - für einen Anfänger, der das zum ersten Mal machen soll, eigentlich nicht ohne Weiteres zu schaffen.
Einfach umdrehen
Wolfgang Koller zeigte uns erst in Trockenübungen, dann auf dem Wasser, dass man dasselbe erreicht, wenn man sich im Boot sitzend einfach nur umdreht. Tatsächlich - ich drehe mich um und stelle fest: Mein Paddel liegt zur Stütze bereit, ich habe automatisch mein Gewicht auf die richtige Seite verlagert und so mein Boot aufgekantet.
Auch zum einfachen Vorwärtsschlag verriet uns Wolfgang eine Methode. Ich gebe aber gerne zu, dass zumindest ich mich damit nicht ganz anfreunden konnte. "Ja", meinte Wolfgang, "Linx bedeutet oftmals ein Abweichen von der klassischen Paddeltechnik, und das kommt gerade beim Grundschlag vorwärts zur Geltung".
Absolut ohne Angst
Der Sonntag startete nochmals mit einer Meditation, bevor wir an die Loisach aufbrachen. Während ich mit vielen anderen nochmals "Linx" unter den wachsamen Augen von Wolfgang Koller auf der Griesenschlucht ausprobierte, befuhr eine kleinere Gruppe mit Karoline Steinmann den unteren Teil der Schlucht.
Mit bei dieser Gruppe waren auch zwei Frauen, die nur wenig Erfahrung im Wildwasser mitbrachten. Deren Urteil hat mich dann doch sehr beeindruckt: "Ich bin so ein Wildwasser noch nie gefahren und hätte nie gedacht, dass ich mir das zutraue, geschweige denn schaffe. Und jetzt bin ich das gefahren, absolut ohne Angst und ohne Kenterung oder Beinahe-Kenterung".
Urteil unterschiedlich
Ob wir das mit unseren Methoden ohne Meditation auch erreicht hätten? Wahrscheinlich wäre ich mit diesen Teilnehmern aber nicht auf den unteren Teil der Griesenschlucht gegangen, und die beiden wären um ein tolles Erfolgserlebnis ärmer.
Wie bei allem Neuen fiel das Urteil über diesen Lehrgang dann auch sehr unterschiedlich aus. Aber etwas gelernt, das wir dann auch in unseren Vereinen zumindest teilweise umsetzen können, haben wir alle. Eine Wiederholung der Veranstaltung - vielleicht in zwei Jahren - wurde von allen Teilnehmern gut geheißen.
Oliver Bungers |