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Fahrtenleiter-Lehrgang

So schön ist Franken (fränkisch ...)
Fahrtenleiterlehrgang 2009, Teil 1 in Bamberg


Pünktlich zum Abendessen trudelten die Teilnehmer des diesjährigen Fahrtenleiterlehrganges Ende April im Vereinsheim des Bamberger Faltbootclubs (BFC) ein. Lehrgangsleiter Peter Fichtner wies den Campern ihre Plätze zu, dann gab es im Lokal schon was zum Mampfen. Für die übergewichtigen halben Hemden wie mich einen großen Salat, für die anderen ´ne handfeste Pizza oder was mit Nudeln ...


Frisch gestärkt ging es auch gleich los: Nach einer Aufwärmrunde zum Kennen lernen war Materialkunde angesagt. Von der Unterhose über Neo und Schwimmweste bis zum Helm wurde alles besprochen und verstanden.

Nach dieser mittelschweren Kost genossen wir noch einen lauen April-Abend vor der Grillhütte und ließen den Tag gemütlich bei Bamberger Bier und spanischem Wein ausklingen.

Am Samstagmorgen übertraf die Chefin der Küche mit ihrem Frühstück sich selbst – sooooo muss ein Tag beginnen!

Und so konnte uns Tobi Schönauer auch mit seinem Öko-Check nicht schrecken. Wir erkannten doch sehr viele seiner mitgebrachten Hölzer, Zweige und Zapfen, sind wir eben doch alle draußen zu Hause ...

Nachdem wir dann noch erfahren hatten, wie man sich ökologisch korrekt auf dem Bach verhält, setzten wir das Gelernte in die Praxis um: Wir ließen das lange Drachenboot des BFC zu Wasser, verteilten die wichtigen Plätze wie Trommler, Steuermann, Schlagmann und Paddler, und schon ging es in zügiger Fahrt auf dem rechten Regnitzarm (Main-Donau-Kanal) in Richtung Main. Da wir buchstäblich alle in einem Boot saßen, konnte Tobi uns leicht die Flora und Fauna, die wir passierten, erklären.

Ein kleines Stück den Main hoch, dort liegt die „Insel“ - die Zeltwiese des BFC. Nach gekonntem Anlegemanöver wurde diese besichtigt. Ein Erfahrungsspiel, bei dem wir mit verbundenen Augen, von einem Mitstreiter geführt, nur mit den nackten Füßen den Untergrund erfuhren und begriffen, durfte nicht fehlen. Auf dem Rückweg zum Vereinsheim gab unser Schagmann einen Rhythmus vor, der die „Shui-Long“ fast zum Fliegen brachte ...

Die restliche Zeit bis zum Abendessen wurde durch die Vermittlung von Wissen verkürzt. Wir lernten, was wir als Jugendliche alles nicht gedurft hätten und dass wir eigentlich mit unseren chronisch überladenen Dachträgern auf dem Weg zum Bach immer mit einem Fuß im Gefängnis stehen ...

Auch wenn das kein offizieller Programmpunkt war, möchte ich noch berichten, dass abends nicht nur die Bamberger Kneipenszene lockte: Ein kleines Häufchen unerschrockener Paddler besichtigte Bamberg auf einer Stadtrundfahrt vom Wasser aus. Dass wir die letzten Meter im Dunkeln zurücklegten, störte niemanden.

Der Sonntag begann ebenso gut wie kalorienreich wie der Samstag. Und so war es ein leichtes, eine Wanderfahrt, zumindest auf dem Papier, zu organisieren. Für großes Gelächter sorgte die Feststellung eines Franken, dass kleinere Kinder im „Dobbeldobbo“ gut aufgehoben seien. Dass hiermit ein Topoduo gemeint ist, musste den Preußen erst erklärt werden.

Ebenso fränkisch erklärte uns Martina den „Eh-be-be“, also den europäischen Paddelpass, kurz EPP. Nach einer kurzen Einweisung in die wichtigsten Zeichen beim Paddeln war unser lehrreiches Wochenende schon wieder zu Ende.

Wieder nutzte ein Häufchen paddelsüchtiger das schöne Wetter, um bei strahlendem Sonnenschein unter der Führung eines erfahrenen Eingeborenen die Stadt vom Wasser aus zu erkunden. Auch diesmal ging es nicht ohne Schwimmer ab, das Hufeisenwehr hat eben seine Tücken. Dafür genossen wir die Spieleinlage am Rathaus umso mehr.

Der Abschied fiel so schwer nicht, sehen wir uns doch alle schon in drei Wochen in München wieder zum zweiten Teil. Wir sind schon alle in Vorfreude auf die Praxis, die wir dann hoffentlich alle „erlernen“.

Die Franken in München
Fahrtenleiterlehrgang 2009, Teil 2


Auch am 15.5.2009 reist eine unerschrockene Gruppe Paddler, überwiegend ökologisch korrekt in Fahrtgemeinschaften, nach München, um dort den zweiten, praktischen Teil der Fahrtenleiterausbildung zu genießen. Auch wir treffen mit unserem schwer bepackten Lasterchen trotz zähem Verkehr auf den Autobahnen und den Münchner Straßen noch vor dem gemeldeten Unwetter bei den Bootshäusern an der Isar ein.
Schön, euch wieder zu sehen, ihr tapferen Mitstreiter!

Dann geht es auch gleich ohne Abendbrot los mit der Begrüßung durch Oliver Bungers, der uns das Bootshaus und das Programm für das Wochenende vorstellt.

Nahtlos schließt der Tobi mit seinen Ausführungen zur Ersten Hilfe an. Trotz der Vermittlung von Kenntnissen über Ertrinken, Herzinfarkt, Schlaganfall und blutenden Wunden beißen wir anschließend herzhaft in unsere mitgebrachten (Wurst-)Brote und lassen den Tag bei dem einen oder anderen Bier ausklingen.

Wie mir aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wurde, ist dieser Kurs gezeichnet durch ein extrem niedriges Durchschnittsalter von unter 40 Jahren. Wanderpaddeln scheint also bisher nur etwas für die eher ältere Generation gewesen zu sein, und wir bringen nun wieder Schwung in die Bude... J

Bei Regen nehmen wir unser samstägliches Frühstück ein und sind froh, dass erst noch eine Runde Theorie (Sicherheit im Kajaksport, Retten und Bergen) auf dem Plan steht, bevor wir uns in die jedes Jahr enger werdenden Neoprene zwängen und Minuten später in voller Wildwassermontur am Kraftwerkskanal parallel der Isar stehen. Inzwischen hat es aufgehört zu regnen, und wir paddeln über die Floßlände hoch zu ein paar schönen Spiel- und Übungsstellen, die so faszinierende Namen wie „Surfwelle“ und „Schaukelpferd“ tragen.

Unterwegs werden in Kleingruppen noch mal die Grundtechniken des Paddelns wiederholt (bis dahin dachte ich sogar noch, dass ich paddeln kann …). Dann geht es in Kleingruppen in die Wellen. Wir schaukeln im Pferd und keulen in der Strömung, was die Arme hergeben. Kehrwasserfahren und Seilfähre-Üben schickt so manchen in das doch recht nasse Kühl…

Unsere Gruppe hangelt sich die Floßgasse hoch bis zu deren Anfang. Auf dem Rückweg treffen wir sogar, entgegen der Erwartung unseres Ausbilders, alle Kehrwässer und stoßen pünktlich zur Rettungsübung auf die gesamte Gruppe. Als wenn wir es verdient hätten, kommt die Sonne raus.

Unsere Ausbilder zeigen uns, wie so eine Wurfsackrettung geht: Einer schwimmt, der Peter wirft ihm einen Wurfsack zu und sitzt nach kurzem Zug am Rettungsseil gleich darauf neben dem Schwimmer im Wasser und beide treiben dahin ... So geht es also schon mal nicht.

Auf Grund der Strömung ist angesagt, dass der Werfer von Hinten gehalten wird. Und nun wird gebadet, was das Zeug hält: Jeder darf mal! Schwimmen und Retten. Zwischendurch wird immer wieder schnell das Wurfsackseil für den nächsten Einsatz in den Beutel gestopft. Für etwas Hektik am Ufer sorgten drei wackere Schwimmer, die die Kollision eines „Dobbeldobbos“ (s. Kurs Teil 1) mit einem Einer simulieren und zu Dritt laut rufend das Schaukelpferd hinunter schwimmen. Es werden aber auch hier alle gerettet ... Nur bei der Springerrettung geht ein Paddler verloren, als die Springerin ihn um Meter verfehlt. Aber wir üben ja noch - und 10 % Schwund sind beim Wassersport wohl normal…

Einen „Anschiss“ gibt es von Uschi Zimmermann, da sie ihr gemachtes Bildmaterial für mehr den Kanukurier fast nicht verwenden kann, weil die lachenden Gesichter den Ernst einer Rettung nur schwer vermitteln können. Dafür spiegeln diese Bilder allerdings sehr gut die Stimmung im Kurs wieder ...

Noch bevor drei Touristenflöße mit angetrunkenen Partygästen an der Floßlände anlegen, ergreifen wir die Flucht und paddeln wieder zurück zum Bootshaus. Dort wird in der Dusche schnell das warme Wasser knapp.

Und ganz ohne Neopren-Mief gibt uns der Oli noch eine Einheit Rechtliches und Versicherungstechnisches, aufgepeppt durch plakative Beispiele aus dem Geschehen der verschiedenen bayerischen Vereine.

Ohne Rücksicht auf die knurrenden Mägen kommt noch was Praktisches: Wir reanimieren unter Tobis Aufsicht Anne, die Herz-Kreislauf-Puppe der Münchner Feuerwehr, lagern unsere Kollegen stabil und machen uns den einen oder anderen (Wundschnell-)Verband.

Aber bald duftet der Grill doch zu verführerisch, sodass wir schnell unsere Würstel und das Fleisch auflegen und bald darauf nur noch zufrieden verdauen. Der Abend wird vor und im Vereinsheim noch recht lang.

Das deftige Weißwurstfrühstück am Sonntag bringt dann wieder ordentlich Dampf in die müden Knochen. Daher ist bald die Fahrt zur Isar, die heute auf dem Programm steht, durchgeplant. Wir beladen Autos, Bus und Hänger, setzen noch schnell um, und schon bald geht es los.

Die „Wanderfahrer“ finden mal wieder kein Kehrwasser und bügeln an den schönsten Stellen vorbei. Trotzdem genießen alle bei schönstem Sonnenschein die Wellen im Stromzug. „Leider“ müssen wir an diesem Tag niemanden retten. Und viel zu schnell sind wir am Ausstieg bei Einöd. War unsere Ausbildung möglicherweise schon leicht wildwasserlastig, so hätte der „Bach“ nach der Meinung der Mehrheit noch etwas „aufdrehen“ können.

In der an den Ausstieg angeschlossenen Lokalität lassen wir den erfolgreich absolvierten Fahrtenleiterlehrgang mit Eisbecher und Pfannenkuchen ausklingen. Martina verleiht noch die „Eh-be-bes“ (s. Kurs Teil 1), dann heißt es nach dem obligatorischen Gruppenbild auch schon wieder Abschied nehmen, diesmal wohl für länger. Aber vielleicht trifft man sich ja irgendwann mal irgendwo auf irgendeinem Bach?

Harald Thiele, Bamberg

 

 
 

Ausbildungsprogramm

Flyer Lehrgangsprogr 12
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