|
Mitmachen und lernen Kanusport beim Lernfest 2008
Benediktbeuern (uz). „Lernfest“ – dieses Wort sei schon ein Widerspruch in sich, meinte Moderator Werner Schmidbauer bei der offiziellen Eröffnung. Denn entweder man lerne und feiere, oder man feiere und versuche anschließend zu lernen. Aber in Benediktbeuern wollten die Veranstalter, die Lernende Region Tölzer Land, das Kloster Benediktbeuern, das Zentrum für Umwelt und Kultur und das Katholische Kreisbildungswerk Bad Tölz-Wolfratshausen demonstrieren, dass Lernen durchaus mit Freude verbunden sein kann.
Wenn man die Aktionen und die zahlreichen kleinen und großen „Lernenden“ am Stand des Bayerischen Kanu-Verbandes (BKV) betrachtet, dann wurde das Lernen zumindest hier tatsächlich zu einem Fest. Dank der guten Verbindungen und Kooperationen mit der Jugendbildungsstätte Hochland in Königsdorf war die Einladung an den BKV erfolgt, hier den Kanusport kompetent zu vertreten.
Zu jeder Sekunde gefordert
Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein begrüßte zum größten Lernfest Deutschlands, das 2008 bereits zum sechsten Mal im Kloster Benediktbeuern stattfand. Im ganzen weitläufigen Klostergelände blieb kaum ein Plätzchen unberührt und unbeteiligt. Überall waren Stände aufgebaut, und die meisten davon (etwa 150) luden auf irgendeine Art zum Mitmachen – und zum Lernen – ein. In vielen Fällen stand die Umwelt oder der Bezug zur Umwelt bzw. zum Wasser im Vordergrund.
Allein die barocke Kulisse war gigantisch, ebenso das Wetter und erst recht der Zustrom der Besucher. Von über 30.000 Personen war die Rede. Gezählt wurde am Stand des Bayerischen Kanu-Verbandes (betreut von der Kanujugend) nicht, denn dazu wäre beim besten Willen keine Zeit gewesen. Denn die Standbetreuer waren zu jeder Sekunde gefordert.
Kinder standen Schlange
Jedes Kind, das auch nur einigermaßen mit Selbstvertrauen ausgestattet war, wollte einmal paddeln. Das etwa 50 qm große Wasserbecken hatte die Feuerwehr bereits am Vorabend gefüllt. Als Oliver Bungers, BKV-Vizepräsidenten Jugend, ins Wasser stieg, um mit den beiden „Opfern“ vom KC Oberland zu demonstrieren, wie relativ schnell und einfach die Eskimorolle gelernt werden kann, ließ die ihm deutlich ins Gesicht geschriebene Maßskala kaum mehr als 10 Grad Celsius erkennen. Bis er am Mikrofon die einzelnen Übungen beschrieb, hatten sich seine zitternden Gliedmaßen an die erfrischende Temperatur gewöhnt.
Die begeisterten Kinder konnte das kühle Nass nicht abschrecken. Im Gegenteil: Sie standen geduldig Schlange, um einmal für ein paar Minuten im Boot sitzen und paddeln zu können. Das große Fußballtor des Bayerischen Fußball-Verbandes wartete dagegen häufig verwaist auf einen Fußballspieler.
Geschick und Talent
Viele von ihnen hatten schon vorher auf dem Paddlelite die richtige Technik geübt. Geschwister ließen sich anstecken, und auch eine ganze Anzahl Mütter wollte das Trockenpaddeln ausprobieren. Väter zierten sich meistens und erfanden fadenscheinige Ausreden, um sich nicht aufs Paddlelite setzen zu müssen. Fürchteten sie etwa, an Autorität einzubüßen, wenn sie nicht mindestens so viel Geschick zeigten wie ihre Kinder?
Viel Talent bewies eine junge Dame, die ein Praktikum bei der Süddeutschen Zeitung absolvierte und unter Anleitung ihrer Tutorin über das Lernfest berichten wollte. Die Trockenübungen reichten ihr nicht – sie wollte auch im Wasserbecken mit entsprechender Unterstützung das Eskimotieren versuchen.
Keinen Move verpassen
Großen Beifall ernteten die jungen Akteure der Freestyle-Vorführungen, Tobi Schönauer (Naturfreunde München), Matthias Leininger (FW München) und Moritz Kuhlbars (MTV München). Sie brachten das Wasser zum Kochen und Überschwappen. Sehr zur Freude des von der Sonne und hohen sommerlichen Temperaturen aufgeheizten Publikums. Jeder der kleinen und großen Gäste blieb direkt am Beckenrand stehen, um nur ja keinen Move zu verpassen.
Tobi Hunger kommentierte fachgerecht per Mikrofon, bewies sich aber auch auf dem Podium als kompetenter Vertreter des BKV. Er legte auch den Schlauchbootfahrern auf der Isar mit eindringlichen Worten ans Herz, wie sie sich umweltgerecht verhalten sollen.
Wo kann ich paddeln?
Das Interesse am Kanusport war enorm groß. Die praktischen Übungen gipfelten häufig in der Frage: Wo kann ich einen Kurs machen? Wo gibt es einen Verein in meiner Nähe? Schade, dass es im Umkreis von Benediktbeuern nur einen einzigen Kanuverein gibt (den KC Oberland in Kochel).
Allein die Interessenten dieses Lernfests zeigten auf, dass z. B. in Lenggries, Wolfratshausen, Bad Tölz oder auch am Tegernsee Kanusportvereine aus dem Boden wachsen könnten – wenn es sie denn gäbe ... Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und die ungezählten Interessenten nährten diese Hoffnung. |