Freie Fahrt durch Mittenwald
Die Isar in Mittenwald war in Kanukreisen eine „no go area“. Wer sich nicht von der Flußbeschreibung und den Totenkopfschildern abbringen lies, den erwartetete eine Schinderei die mit Kanusport wenig zu tun hatte, mehrere steile Geröllbremsen mit anschließendem Tosbecken zwangen zu Portagen durch undurchdringliches Ufergebüsch und über schmale Betonmauern. Man nahm nichts wahr von der schönen Stadt Mittenwald, hatte keine Zeit und keinen Blick für die majestätischen Berge des Karwendels. Eine Flussstrecke die man für gewöhnlich nur einmal im Leben bewältigt.
Seit diesem Frühjahr ist alles Anders. Man fährt durch Mittenwald mit freiem Blick auf die Berge, man nimmt wahr, dass man durch einen Ort fährt, man sieht die schmucken oberbayerischen Häuser und läßt den Blick schweifen. Trotzdem sollte man der Isar die notwendige Aufmerksamkeit schenken. Insgesamt sechs Sohlgleiten fordern immer noch den Paddler heraus. Die Isar in Mittenwald heute zu befahren ist ein Spiel mit dem Wasser. Ganze Arbeit haben die Wasserbauer und die Flußmeister vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim geleistet. Kehrwässer hinter riesigen Findlingen, Buhnen die den Fluss zusammendrängen und beschleunigen wechseln mit kleinen Kiesbänken, die die Isar bereits bei kleinen Hochwässern angelegt hat. Zugegeben, die gleichförmigen, kahlen und noch ohne Bewuchs sich darbietenden Uferflanken sind wenig reizvoll, sie sind aber dem eigentlichen Zweck, dem Hochwasserschutz geschuldet. Nur so gab es Geld für die naturnahe Umgestaltung des Flußbettes.
Einen jahrelangen Wunsch von Manfred Gruber haben die Wasserbauer nun zum Schluß der Baumaßnahmen auch gleich mit erledigt: Die beiden Stufen am Ortseingang von Mittenwald wurden für eine bessere Befahrbarkeit umgestaltet. Von der Staatsgrenze bis zum Campingplatz Isarhorn bietet sich nun die Isar als eine abwechslungsreiche Paddelstrecke an, die es lohnt in die Fahrtenprogramme der bayerischen Vereine aufgenommen zu werden. Mit einem Schwierigkeitsgrad von WW II bei sommerlicher Wasserführung könnte sogar Mittenwald wieder ein Austragungsort für Abfahrtsrennen sein. Ein Visionär, der dabei an die berühmte Isar-Dammkar-Kombination denkt. Auch für die Funktionäre wäre etwas dabei, entlang der Isar verläuft ein Radweg mit freiem Blick auf den Fluß.
Seit 1.Juni hat nun das WWA die Baustelle freigegeben. Wenige Tage vorher haben Korbinian Zanker vom WWA Weilheim und Rolf Renner vom BKV die Isar bei frühlingshaftem Wetter offiziell „erstbefahren“. Zurück bleibt ein großartiger kanusportlicher Eindruck. Vergessen sind die unzähligen Gespräche am WWA und die vorgelegten Dokumentationen. Was bleibt ist der gemeinsame Erfolg und die Leistung der Wasserbauer. Der Dank, nicht nur der bayerischen Paddler ist dem Amtsleiter des Wasserwirtschaftsamtes Christian Wanger sicher. Warum nicht ein Wildwasserrennen nach seiner Person benennen? Schaun wer mal.
Ressort Umwelt und Gewässer
Rolf Renner - Referent Oberbayern - Fotos: WWA Weilheim
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