|
Im Jahr 2002 war ich nach einer zweiwöchigen Vespa-Tour durch Italien und machte auf dem Campingplatz in Thalkirchen einen Zwischenstopp. Auf dem Weg zum Biergarten bin ich über die Brücke der Surfwelle gegangen und habe die Surfer bewundert. Neun Jahre später hat mich das Schicksal wieder an diesen Ort geführt, diesmal sogar unter der Brücke durch.
Vor einem Jahr habe ich mit dem Kajakfahren im TSV Lohr angefangen. Im Allgemeinen zähle ich eher zu den Wanderfahrern und habe noch nicht viele Flüsse befahren. Meine Revier ist vorwiegend der Main, ansonsten zweimal die Fränkische Saale und einmal die Werse im Münsterland, also nichts Wildes.
Da eine gute Technik in jeder Sportart das A und O ist habe ich mich für den BKV Wildwasser Lehrgang Paddeltechnik angemeldet, ein Wildwasserboot besorgt und bin hingefahren. Es war ein kühler Empfang am Freitagabend am Bootshaus des ESV München, als ich als erster mein Zelt aufgestellt hatte, dieser wurde noch gesteigert durch einen anhaltenden Hagelschauer. Langsam trafen auch die Übungsleiter und Teilnehmer ein.
Am Samstagmorgen wurden wir nach Fähigkeiten in Gruppen aufgeteilt. So viel ein Übungsleiter auf drei Teilnehmer, ein angenehmes Verhältnis für ein intensives Training. Die Boote mussten wir ein paar hundert Meter tragen und haben am Becken des Zentrallände uns aufgewärmt und eingesetzt. Am Zentrallände wurden früher Baumstämme verladen, welche die Isar runter getrieben sind in Form von Flöße, welches heute noch gemacht wird, aber eher am Wochenende mit vielen Leuten, Bier und Musik.
Zum Anfang wurden der Grundschlag, Bogenschlag und Ziehschlag geübt. Zudem wurde auch die Beweglichkeit der Hüfte in einer Partnerübung trainiert, indem man sich gegenüber schwimmend an einem Paddel am jeweiligen Paddelblatt fest hält und das Boot mit der Hüfte giert, die Schultern sind dabei starr. Diese Übung erinnert etwas an Synchronschwimmen. Soweit aufgewärmt ging es dann weiter. Da die Surfwelle etwas pilzig war, haben wir diese in sicherem Abstand umfahren und Umtragen Richtung Schaukelpferd. Hier wurde auf dem breiten Kehrwässern Seilfähre Vorwärts sowie Rückwärts gezeigt und in Wiederholungsübungen vertieft. Einige haben sich dann im Kehrwasser-Pendeln am Schaukelpferd mehr oder weniger behauptet (bei mir eher weniger). Unterbrochen wurde das Kehrwasser fahren gegen Nachmittag kurzfristig immer dann, wenn ein Floß unter großem Hallo durch die Floßgasse rauschte. Gegen Nachmittag wurde dann ein doch recht anstrengender Tag das Training mit der Rückfahrt durch die Surfwelle abgeschlossen.
Nachdem obligatorischen Warten an der Dusche und einer kleine Verschnaufpause gab es eine Videoanalyse. Anfangs gespickt mit verschiedenen Impressionen der näheren Umgebung, z. B. grauer Himmel oder grau-weißer Pfahl im grünen Gras. In dieser Kollage der Ereignisse gab es auch die vollführten Übungen wie Kreiseln mit Bogenschlag, welche sich langsam steigerten zur Synchronübung. So wurde eine latente Spannung erzeugt, welche man auch beim Betrachten von Fernsehübertragungen von Synchronschwimmen verspürt. Den größten Teil der Videoanalyse wurde auf das Kehrwasserpendeln am Schaukelpferd gewidmet. Allerdings: Das eigentliche Ziel dieser Übung hat sich mir beim Betrachten nicht erschlossen und auf Nachfragen stellte sich heraus, dass die optimalen Verfahren nicht auf Video gebannt wurden. Erst nach dem der Akku leer war ist es einigen Teilnehmern gelungen richtig kantend vom einem zum anderen Kehrwasser zu kommen.
Nach einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant in der Nähe endete der Abend gemütlich auf der Terrasse am Bootshaus. Einige wesentliche Erkenntnisse des Tages waren: Was dem Wanderfahrer sein Flusskilometer ist, ist dem Wildwasserfahrer das Kehrwasser. Die Anzahl der Flusskilometer steht im reziproken Verhältnis zur Anzahl der Kehrwasser, will sagen: Viele Flusskilometer wenig Kehrwasser – Viel Kehrwasser wenig Flusskilometer. Eine andere Erkenntnis ist, dass die optimale Technik nur dann funktioniert, wenn man mit dem Fluss arbeitet - nicht gegen.

Am Sonntagmorgen ging es weiter mit Rettungs- und Bergungsübungen. Dazu gab es unterhalb des Schaukelpferds zwei Stationen. Die erste Station war die Rettungsübungen basierten auf der Konstellation: Schwimmer, Springer und derjenige, der das Seil hält. Der Springer wurde mit dem Seil aus dem Wurfsack gesichert und ist im richtigen Moment ins Wasser gesprungen um den Schwimmer an den Trägern seiner Schwimmweste zu packen. Merke nicht jede Schwimmweste ist dazu geeignet. Der Seilführer kann dann Versuchen durch geschicktes nachgeben des Seils die beiden ins seichtere Kehrwasser abzulassen. Jeder durfte mal ran. Manchmal mussten auch mehrere Leute das Seil halten ansonsten wäre die Zahl der Schwimmer sprunghaft gestiegen. Im Prinzip ist Rettung eine ernste Sache machte mir aber Spaß und ich fand es auch erstaunlich einfach. Ein Teilnehmer versicherte mir sogar, dass in seinem Verein am Ende einer Vereinsfahrt regelmäßig durch eine Rettungsübung gekrönt wird, was ich sehr vorbildlich finde.
Die zweite Station konzentrierte sich eher auf das Bergen eines Bootes, dazu wurde aus Seilen und Rollen ein Flaschenzug gebaut wie er auch beim Bergsteigen Verwendung findet. Besprochen wurden auch Aspekte der Ersten Hilfe, wie z. B. die Stabile Seitenlage. Von der es eine überarbeitete Version gibt, insbesondere gab es eine Eselsbrücke, die da lautet: „Ich schwöre - Ich hau dir eine Runter und leg dich übers Knie“, wenn man dies in Aktion gesehen hat ist das sehr hilfreich. Es wurde auch der Anruf von Rettungskräften besprochen und darauf hingewiesen, dass es sehr hilfreich ist den Rettungskräften mit zu teilen, ob man in einer tiefen Schlucht sich befindet und somit unerreichbar für einen Rettungswagen ist. Oder wenn man in einer sehr tiefen Schlucht steckt, dass ein Hubschrauber mit langem Windenseil benötigt wird. Abzuschließend wurde noch Erläutert was alles in einem Erste Hilfe Set drin sein sollte, neben Verbandszeug, z. B. auch ein Feuerzeug um Feuer zumachen einmal für die Wärme andererseits auch als Signal. Aus Paddeln, Seilen und Stöcken kann man Schiene und Tragen improvisieren.
Zum Abschluss ging es dann nach einem längeren Fußmarsch zum Isarkanal, wo wir in mäßiger Strömung das Kehrwasserfahren üben konnten. Die Rückfahrt ging dann durch die ganze Floßgasse, wo es noch ein paarmal Herzklopfen gab, wir dann aber sicher in der Zentrallände angekommen sind. Gegen Kaffeezeit fand man sich abschließend beim Bootshaus wieder ein und nach einer kurzen Gesprächsrunde, wo jeder seine Eindrücke wieder geben konnte ist die Veranstaltung beendet worden.
Für mich war es eine gelungene Veranstaltung mit vielen Aspekten und Praxistipps rund ums Befahren von Wildwasser. Nächstes Jahr gerne wieder.
Frank Hesmer
Interessenten melden sich bitte bei Bernd Sachs wegen Zugangs zu seinem Webalbum mit mehr Bildern von dieser Veranstaltung |