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Mein persönliches Sommermärchen Text und Fotos von Regina Völk, Donauwörth
Freitag, Ende Juli. Es ist ein schwüler Tag. Permanent schalte ich die Klimaanlage ein und aus, um eine angenehme Temperatur im Auto zu erhalten. Bei Potsdam, ich überquere auf der A10 den Zernsee, den ich irgendwann in meinem Urlaub erkunden werde, fängt es zu schütten, ja fast zu hageln an. Jetzt möchte ich nicht auf dem Wasser sein! Wieder komme ich ins Grübeln: Wie wird es mir in den folgenden fünf Urlaubswochen wohl ergehen?
In meiner stillen Kammer habe ich die Urlaubstour per Land- und Wassersportkarte geplant. Eine Rundtour soll es werden. Von Neustadt-Glewe nach Neustadt-Glewe, dazwischen ca. 600 km Wasserstraßen. Beginnen werde ich die Tour auf der Müritz-Elde-Wasserstraße (MEW), über die Müritz möchte ich zu den Mecklenburgischen Kleinseen, die mich dann bei Wesenberg in die Havel weiterleiten. Nach Spandau, Potsdam, Brandenburg, Havelberg werde ich für ca. 80 km auf der fließenden Elbe paddeln, bis ich bei Dömitz wieder in der MEW lande.
Logistisches Problem
Wenn ich dann noch Zeit und Lust habe, möchte ich über den Störkanal nach Schwerin, dann in die Warnow umsetzen und dem Flusslauf bis an die Ostsee folgen. Das ist mein Plan. Irgendwann während der Vorbereitung bin ich überzeugt, die Tour nicht bewältigen zu können. Muss ich es? Nein! Neustadt-Glewe hat einen Bahnhof, d. h. an den Ort komme ich auf jeden Fall zurück. Wichtig ist, die Urlaubszeit zu genießen und das Beste daraus zu machen.
Ein Tag später - ein hochsommerlicher erster Urlaubstag. Mein Auto steht in der Bootshalle des WSV Neustadt-Glewe, das Boot ist vollgepackt. Die Tour kann losgehen. Aber zuerst habe ich ein logistisches Problem zu lösen: Ich setze in einem Seitenarm ein und muss unter einer niedrigen Brücke durchpaddeln. Für mich kein Problem, aber der Aufbau auf dem Heck ist zu hoch! Abbauen - durchpaddeln - wieder aufbauen.
Schnurgerade
Schwer liegt das Boot im Wasser und lässt sich nur mühsam nach vorne bewegen. Liegt es an dem schweren Gepäck, an dem für mich ungewohnten Boot (Yukon Expedition) oder doch an der drückenden Hitze (über 30 Grad)? Keine Ahnung, aber langsam begreife ich, was ich mir vorgenommen habe.
Nach 4 km komme ich an der ersten von mehr als 40 Schleusen an, es ist die Schleuse Lewitz. Zusammen mit drei Motorbooten werde ich geschleust. Ein roter Milan kreist in der Luft und beobachtet sehr interessiert, was da unten geschieht.
Schnurgerade liegt die MEW vor mir. Am "Eldedreieck" muss sich der Bootsfahrer entscheiden. Wegweiser weisen den Weg nach Schwerin bzw. nach Parchim. Meine Tour lässt mich nach rechts in Richtung Parchim abbiegen.
Leicht zu bedienen
Bei Garwitz erreiche ich meine erste Selbstbedienungsschleuse. Meine Bedenken, dass ich evtl. alleine nicht schleusen kann und umtragen muss, verschwinden schnell. Über einen blauen, drehbaren Stab wird die Schleusung angefordert. Ein elektronischer Mechanismus wird in Gang gesetzt und läuft automatisch ab.
Bei grünem Licht kann in die Schleuse eingefahren werden, wenn in der Kammer alles o.k. ist, dann wird die Schleusung durch den Bootsfahrer wieder durch einen drehbaren Stab in Gang gesetzt. Diese Selbstbedienungsschleusen sind absolut leicht zu bedienen, aber auch langwierig.
Beeilt
Ich habe das Pech, dass bei einer Schleuse die Tore in Sichtweite vor mir schließen. Bis ich schließlich oben ausfahren kann (für mich als "Flusspaddler" absolut ungewöhnlich, flussaufwärts geschleust zu werden), ist eine Stunde vergangen. Diese Erfahrung prägt. Jedes Mal, wenn ich kurz vor der Schleuse bin, lege ich einen Zahn zu - nicht dass da evtl. eine Schleusung ohne mich durchgeführt wird!
Als ich mein Verhalten überdenke, komme ich zu dem Schluss, dass ich erst dann richtig im Urlaub angekommen bin, wenn es mir absolut egal ist, an einer Schleuse zu warten. Um es vorne weg zu nehmen: Selbst am letzten Tag habe ich mich vor der Schleuse noch beeilt, um auch ja mitzukommen.
Stille auf der MEW
Auf der MEW sind wenig Paddler unterwegs. Auch die Anzahl der Motorboote hält sich in Grenzen. Werde ich von Motorbooten überholt, dann im Pulk von drei, vielleicht vier Stück. Ich kann mir den Vorgang schnell erklären. Die Boote fahren zusammen von Schleuse zu Schleuse, und dazwischen kann nichts kommen. Sobald sie um die nächste Kurve verschwunden sind, herrscht wieder Stille auf der MEW.
Sehr müde erreiche ich meine erste Übernachtung bei Parchim-Slate. Ich baue mein Zelt so nah wie möglich am Wasser auf. Das Boot mit dem Gepäck nur nicht unnötig bewegen! Am Zeltplatz selbst gibt es keine sanitären Anlagen, so gehe ich in das dazugehörige Hotel und dusche in einem der Gästezimmer. Wäre das Zelt noch nicht aufgebaut, ich würde sofort das Zimmer mieten (und das am ersten Tag!).
Über 30 Grad
Am nächsten Tag halte ich mich auf der MEW eng am Ufer, ...
Lesen Sie bitte weiter im kanu-kurier Nr. 4/2010
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