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Interview mit Hannah Patzelt
Die Aschaffenburgerin Hannah Patzelt macht schon seit vielen Jahren im Kanurennsport auf sich aufmerksam und die Konkurrenz nervös.
In Bayern kaum zu schlagen, startete sie auch auf deutscher Ebene durch. Ihr kürzlicher Start bei der Weltmeisterschaft im Kanumarathon ist der momentane Höhepunkt einer Karriere, die für die 20-jährige wie eine logische Folgerung scheint. Schon 2004 und 2006 kürte die Bayerische Kanujugend sie zur Sportlerin des Jahres. Der kanu-kurier hat sich mit Hannah Patzelt unterhalten.
Erst einmal gratulieren wir Dir zu Deinen außerordentlichen Erfolgen während Deiner ganzen Laufbahn, ganz besonders aber zu Deinem aktuellen Erfolg bei der Weltmeisterschaft im Kanumarathon. Platz 14 heißt, 14.-Beste U-23 Fahrerin der ganzen Welt zu sein. Das ist doch richtig was! Vor allem auf dem flachen Wasser ist schon lange niemand mehr aus Bayern in der Leistungsklasse in die Weltspitze gefahren! Wie bist Du in die deutsche Nationalmannschaft gekommen?
Nach einem 2. Platz beim Marathon-Weltcup 2008 in Brandenburg bei den Junioren durfte ich das erste Mal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen. Leider passierte mir direkt in der Startphase ein Missgeschick, weswegen ich baden ging und mit großem Rückstand das Feld von hinten aufzurollen begann. Am Schluss kam ein 13. Platz dabei raus. Letztes Jahr hat es dann mit einem internationalen Einsatz leider nicht geklappt. 2010 startete ich meine Marathonsaison mit einem 3. Platz bei den Deutschen Meisterschaften in Brandenburg, damit hatte ich mir das Ticket für den Weltcup in Tyn erkämpft.
Ein solider 8. Platz und unter Beachtung des Zeitlimits hatte ich eigentlich die Qualifikation für die U-23 WM geschafft. Bei den Deutschen Rennsportmeisterschaften sollte ich meinen Trainingsstand dann nochmal unter Beweis stellen, weil die Wettkämpfe so weit auseinander lagen. Der 5. Platz über 5000 m und viele E-Mails später bekam ich gut zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft die Zusage, dass ich an der WM teilnehmen darf.
Und wie ist es dann gelaufen? Ein Marathon mit seinen Portagen (das Boot muss dabei im Laufschritt über Land getragen werden) ist doch wahnsinnig kräfteraubend!
Nach der Deutschen fing ich die Vorbereitung für die WM an, leider ohne wirklich zu wissen, ob ich teilnehmen darf oder nicht, die Zusage kam ja erst später. Aber nach einem Erholungstag hieß es Kilometer, Kilometer, Kilometer ... In Spanien angekommen, hatte ich noch eineinhalb Tage Zeit, mich auf die Gegebenheiten und das Wetter einzustellen. Aber die sehr schöne Strecke, das fantastisch blaue Wasser und die problemlose Bootsausleihe von Zedtech machten das sehr leicht.
Nachdem an den Tagen zuvor die Sportler noch mit Nebel und Sichtweiten unter 100 m zu kämpfen hatten, war an meinem großen Tag alles perfekt. Aber dass international, auch schon bei der U-23, ein ganz anderes Tempo und viel härter gefahren wird, wurde mir schnell wieder klar. Die vielen Zwischenspurts bei den Wenden und vor und nach den Portagen machten mich sehr mürbe. Somit musste ich meine am Anfang gefundene Gruppe nach gut der Hälfte der Strecke ziehen lassen. Danach konnte ich aber gut und konstant mein eigenes Rennen zu Ende fahren. Es hat einfach so viel Spaß gemacht mit dem Adler auf der Brust, dass ein 14. Platz für das Training im kommenden Winter nur noch mehr motiviert.
Das heißt also, Du willst weitermachen? Dann musst Du auch viel trainieren. Wie vereinbarst Du das mit Deinem Studium?
Seit dem Wintersemester 09/10 studiere ich an der technischen Universität in München Maschinenbau. Die Fakultät ist draußen in Garching, somit bin ich in einer viertel Stunde von der Regattastrecke Oberschleißheim dort. Das Studium allein ist schon hart und anstrengend, wenn man dann im Sommer die Wochenenden über noch auf Regatta ist und im Winter und unter der Woche trainiert, lernt man auf jeden Fall seine Zeit gut einzuteilen und viel Selbstdisziplin. Eins ist aber nach diesem Jahr sicher: Das Studium macht mir unglaublich viel Spaß und dadurch, dass ich direkt auf dem Trainingsgelände wohne, bleibt mir genug Zeit für Lernen und Trainieren. Denn ohne den sportlichen Ausgleich, besonders auf dem Wasser, würde ich die trockenen Bücher wohl auch nicht überstehen.
Du fährst ja nicht nur Marathon, sondern hast Dir vorher schon im Kanurennsport einen Namen gemacht. Wo liegen da Deine Stärken? Wer Marathon fährt, ist normalerweise nicht der große Sprinter ...
Die Langstrecke (2000 m, 6000 m) ist schon immer meine Paradesdisziplin. Nachdem ich über 6000 m immer im Einer gesessen bin und auch seit 2004 die Deutschen Langstreckenmeisterschaften immer mit einer Medaille beenden durfte, ging ich 2009 das erste Mal im K2 mit Anja Zyzik an den Langstreckenstart. Ein 3. Platz bei den Deutschen Meisterschaften im ersten Leistungsklassejahr war da ein tolles Ergebnis. Dieses Jahr fuhr ich, aufgrund meiner noch nicht vollständigen WM-Qualifikation, wieder im K1. Ein 5. Platz hinter den "großen" Damen (alle in der Nationalmannschaft, ehemalig oder aktuell) war für mich ein tolles Ergebnis. Über 1000 m schaffte ich es dieses Jahr sogar in den Endlauf und beendete diesen mit einem 8. Platz.
Deine Leistung ist beeindruckend! Studium und neben Anja Zyzik als einzige Sportlerin aus Bayern im Kanurennsport unter Deutschlands Top 10. Kann man das durchhalten? Wie siehst Du das Jahr 2011 für Dich? Um in der Saison fit zu sein, müssen die Grundlagen ja schon im Winter davor gelegt werden.
Nachdem ich mich ja jetzt eingelebt habe, kann ich eigentlich richtig durchstarten? Ich weiß es nicht. Leichter wird es nicht. Nach der WM habe ich erst mal ein bisschen Pause gemacht und mich prompt erkältet. Aber wie schon gesagt: Ich brauche den Sport und das Studium, und es wird auch im nächsten Jahr harmonieren. Ziel sind natürlich immer gute Ergebnisse auf Regatten, und wenn man sein Jahr dann mit einem internationalen Wettkampf abschließen kann, ist das eine tolle Bestätigung für die geleistete Arbeit und eine Motivation für das neue Jahr.
Liebe Hannah, sei versichert, dass der ganze Bayerische Kanu-Verband hinter Dir steht und Dir ganz fest die Daumen drückt! Wir werden Dich und Deine Rennen auch 2011 aufmerksam verfolgen. |