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(uz) Bei den 90. Deutschen Meisterschaften im Kanurennsport auf der Olympia-Regattastrecke von 1972 in Oberschleißheim musste man die bayerischen Teilnehmer auf der Startliste suchen wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen. Aber nur auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen tauchten die einheimischen Namen unter anderen Landesverbänden auf.
Die bayerischen Kanurennsportler verschafften sich Achtung bis in die Leistungsklasse hinein und sie erreichten mehr als nur Achtungserfolge. Es gab auch Medaillen – auch für solche, die nicht als „Legionäre“ für ein anderes Bundesland an den Start gingen.
Nicht zu schlagen
Die größte Überraschung war die 14-jährige Carola Schmidt vom DRCN Neuburg. Auf der 2.000 m-Langstrecke war sie überhaupt nicht zu schlagen und holte unangefochten den Deutschen Meistertitel der Schülerinnen. Im Schüler-Mehrkampf ihrer Altersklasse gewann sie über 1.000 m die Bronzemedaille. Eine weitere „rein bayerische“ Medaille erkämpften sich Pascal Deubel (MTV)/Simon Heister (SVC), RG Bayern, mit ihrem 3. Platz in der Leistungsklasse über 5.000 m.
Die Münchner Leistungsklasse-Damen starteten in der ungewohnten Canadier-Disziplin und holten auch hier Medaillen: Silber im C2/500 m durch Anja Zyzik/Anke von Seck und Anke von Seck noch einmal Bronze im C1 über 200 m.
Weltklasse-Kollegen
Erfolgreichster bayerischer Legionär war der Kleinheubacher Juniorenfahrer Florian Dietrich mit zweimal Gold und zweimal Bronze (siehe auch „Schülerkajak als Dankeschön“ auf Seite …). Max Dietrich (ebenfalls Kleinheubach/Leipzig) holte in der Jugendklasse die Bronzemedaille im K2 über 5.000 m. Simon Bald vom KSC Gemünden erkämpfte mit seinen Kameraden aus Koblenz-Metternich im Vierkajak Gold über 2.000 m.
Zwar keine Medaillen, aber eine tolle sportliche Leistung boten das für den K.R. Karlsruhe startende „Unterfranken-Duo“ Florian Wirl (WSG Kleinheubach) und Dimitri Tabuev (PSV Langenprozelten) in der Herren Leistungsklasse. Gegen Gegner wie Ronny Rauhe/Tim Wieskötter aus Potsdam und deren Weltklasse-Kollegen aus der deutschen Nationalmannschaft hatten sie zwar keine wirkliche Chance, hielten aber richtig gut mit. Hier ist nach den Qualifikationen über Vor- und Zwischenläufe schon das Erreichen der Finals eine herausragende Leistung.
Bayerischer Charme
Unabhängig von den Ergebnissen waren sich (fast) alle einig: Es war die beste Deutsche Meisterschaft seit vielen Jahren. Über 400 Rennen für über 1.150 Teilnehmer aus 112 Vereinen waren hervorragend organisiert in allen Bereichen bis hin zum ausgezeichneten Essen. Sogar das Wetter trug zum Strahlen der Meisterschaft bei. Bis auf ein paar Kleinigkeiten klappte alles. Aber wenn plötzlich der Startschuh versagt oder die Lautsprecheranlage mal nicht mitspielt, freut sich darüber natürlich kein Starter. Pech, dass das dann ausgerechnet in einem Endlauf passierte.
Echt bayerischen Charme strahlten die jungen Damen (und Herren) bei den Siegerehrungen aus. Im Dirndl reichten sie die Medaillen an den DKV-Präsidenten Thomas Konietzko, den BKV-Präsidenten Oliver Bungers, Jens Perlwitz (DKV-Vizepräsident Leistungssport), Oliver Weyrich (stellvertretender DKV-Vizepräsidenten Jugend), Karl Hauck (DKV-Ressortleiter Kanurennsport) und andere. BKV-Ehrenpräsident organisierte als Zeremonienmeister den Ablauf der Ehrungen.
Gäste beeindruckt
Das rund 35-köpfige Organisationsteam der Münchner Vereine war von morgens um 7 Uhr bis in die Dunkelheit im Einsatz – und dabei immer freundlich und zuvorkommend. Die Regattastrecke mit den ungezählten Bootsanhängern und dem pulsierenden Leben vor den Bootshallen und auf den Bahnen beeindruckte auch die Gäste aus Politik und Sport, die zur Unterzeichnung des Kooperationsvertrags gekommen waren.
Die Münchner Stadträtin Christiane Hacker versprach beim Empfang der Stadt: „Ich werde mich dafür verwenden, dass die Anlage weiter genutzt wird. Ich sehe nicht, wo wir hier etwas einschränken wollen. Die Stadt München will ihren Titel als Sportstadt behalten!“
Jens Perlwitz, Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Kanu-Verband, betonte, dass es nicht überall in Deutschland möglich sei, eine Veranstaltung mit einer solchen Anzahl an Sportlern durchzuführen und meinte: „Die meisten kommen so gern nach Bayern, weil hier das Gesamtpaket stimmt.“
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