Ein großes Paddlerherz hat aufgehört zu schlagen ...
Manfred Herrgottshöfer  Der Kanusport war sein Leben – und der Kanusport besiegelte sein Schicksal. Auf dem Heimweg von der Agnes-Bernauer-Fahrt 2003 verunfallte das Auto, in dem der 62-jährige Manfred Herrgottshöfer als Beifahrer saß. Am 29. November 2003 ist er seinen schweren Verletzungen erlegen.
Bereits in jungen Jahren bestritt er mit dem ihm eigenen gesunden Ehrgeiz Wettkämpfe im Kanurennsport. Doch da gab es noch andere Kanusportdisziplinen wie Wildwasserrennsport und Kanuslalom, und auch hier probierte er sich aus. Seine große Leidenschaft entdeckte er 1969 beim Kanupolo. Er entwickelte diesen Sport nicht nur bei seinem Heimatverein KV Nürnberg, sondern von 1971 bis 1999 als Ressortleiter Kanupolo im Bayerischen Kanu-Verband (BKV) und über Jahrzehnte auch beim Deutschen Kanu-Verband maßgeblich mit. Nach dem Übungsleiter ließ er sich 1972 als erster bayerischer Teilnehmer zum Schiedsrichter ausbilden und bestimmte fortan auch das Schiedsrichterwesen mit.
„Mister Kanupolo“, wie Herrgottshöfer respektvoll bezeichnet wurde, entwarf und konstruierte die ersten Polo-Einheitsboote. Grundlage dazu waren umfangreiche Vermessungen, die er selbst durch- geführt hatte. Aus seiner immensen Erfahrung schrieb er 1994 die viel beachtete Chronik „25 Jahre Kanupolo in Bayern“. Als er 1999 im Bayerischen Kanu-Verband das Amt des Ressortleiters in jüngere Hände legte, ernannte ihn der BKV zum Ehrenmitglied - bei dem Kanutag, den er selbst teilweise mit gestaltet hatte. Als echte Frohnatur erfreute er als leidenschaftlicher Tänzer, Sänger und Gitarrist bei jeder passenden Gelegenheit die staunenden Zuschauer. Dabei fühlte er sich in Schlipps und Kragen gar nicht sonderlich wohl ...
Für Herrgottshöfer gab es auch nach seinem offiziellen Ausscheiden aus dem BKV-Verbandsausschuss keinen sportlichen Ruhestand. Immer betrachtete er den Kanusport als Ganzes und paddelte mit gro- ßem technischem Können alle Gewässer vom Kleinfluss bis zum Wildbach. Beim Wanderfahrertreffen 2003 in Erlangen ließ er sich deshalb mit viel Freude als Fahrtenleiter auf Wiesent und Pegnitz ein- setzen. Dass die Pegnitz überhaupt noch befahren werden durfte, dafür hatte sich Herrgottshöfer an vorderster Front mit eingesetzt und gemeinsam mit seinen Sportkameraden 1999 erreicht, dass das von den Behörden beabsichtigte Befahrungsverbot abgewendet wurde.
Im Verein wirkte Mr. Kanupolo auch als Ehrenmitglied bis zuletzt weiter als Kassier und Chronist und trainierte im vergangenen Jahr die Schüler. Bei der Weltmeisterschaft im Kanupolo 2002 in Essen war er als Bootsprüfer eingesetzt. Seine ganze Familie war hier aktiv dabei. Bei diesem Vater musste die Begeisterung zwangsläufig auf alle anderen übergesprungen sein. Die Familie Herrgottshöfer war längst zur Familie Kanupolo geworden.
Sie waren und sind auch alle nicht wegzudenkender Teil der großen Kanufamilie im Verband. Die Herz- lichkeit, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit eines Manfred Herrgottshöfer sind heute selten gewordene Eigenschaften. Es war der berühmte weiche Kern in einer rauen Schale, mit dem er die Herzen all derer eroberte, die mit ihm ein Stück Wegs gemeinsam gehen durften. Manni war eine Kämpfernatur und hat als solche viel erreicht. Seinen letzten Kampf hat er jetzt verloren.
Wir trauern mit seiner Familie über diesen unersetzlichen Verlust. Wir vermissen ihn sehr. Er wird in unserer Erinnerung immer lebendig bleiben.
Bayerischer Kanu-Verband gez. W. Rogler Präsident
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Sonntag, den 28. November 2010 um 11:43 Uhr |