Harte Quali für Rosenheimer Kanuslalom Talente
Die nationalen Qualifikationsrennen für die deutsche Nationalmannschaft 2026 haben den drei Startern des Kajak Klub Rosenheim alles abverlangt. In Markkleeberg und Augsburg mussten Marian Arnu, Jonathan Arnu und Maxi Scott gleich zu Beginn der Saison auf höchstem nationalem Niveau antreten – unter enormem Druck, mit wenig Spielraum für Fehler und mit Blick auf eine Qualifikation, die bereits erste Weichen für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles stellte.
Der Modus war dabei knallhart. Zugelassen waren nur Athleten, die sich im Vorjahr über die Nationalmannschaft, gute Platzierungen bei der Deutschen Meisterschaft oder den Deutschland-Cup empfohlen hatten. Die Sichtung erstreckte sich über zwei intensive Rennwochen an aufeinanderfolgenden Wochenenden. Im Slalom wurden pro Wochenende vier Rennen gefahren, hinzu kamen die Kajak-Cross-Wettbewerbe. Für Marian Arnu bedeutete das 20 Rennen in 14 Tagen! Am Ende wurden in jeder Disziplin die zwei schwächsten Ergebnisse gestrichen. Gerade deshalb waren Konstanz und Nervenstärke gefragt – und genau die fehlten vielen Athleten an diesem frühen und stressreichen Saisonpunkt.
Im Mittelpunkt aus Rosenheimer Sicht stand vor allem Marian Arnu. Der U18-Fahrer trat in allen drei Disziplinen an – im Kajak-Einer K1, im Canadier-Einer C1 und im Kajak Cross – und absolvierte damit insgesamt 20 Einzelrennen. Der Start in die Sichtung verlief für ihn alles andere als ideal: Gleich in den ersten Rennen in Markkleeberg kassierte er im C1 und im K1 jeweils mehr als 50 Strafsekunden für nicht korrekt befahrene Tore und musste damit früh zwei Streichergebnisse hinnehmen. Doch danach kämpfte sich Arnu stark zurück und zeigte, dass er zur nationalen Spitze seiner Altersklasse zählt.
Besonders im C1 setzte Marian Arnu deutliche Ausrufezeichen. In Markkleeberg fuhr er zweimal auf Platz drei und bestätigte damit seine starken Leistungen aus dem Vorjahr, als er bereits mit sehr guten Resultaten aufgefallen war und 2025 sogar für die NK2 nominiert worden war. Auch in Augsburg mischte er im Canadier vorn mit und belegte dort unter anderem einen starken siebten Platz. In der Endabrechnung wurde er im C1 auf Rang neun geführt. Zwei weitere hervorragende Läufe, die er jeweils als Dritter beendet hatte, wurden nachträglich durch den Videoschiedsrichter mit 50 Strafsekunden belegt und kosteten ihn wichtige Punkte. Für Arnu blieb deshalb trotz des starken Gesamtbildes auch etwas Frust über kleinliche und späte Entscheidungen.
Auch im K1 zeigte der Rosenheimer U18-Fahrer seine Klasse. Dort erreichte er im Gesamtklassement Platz zwölf und konnte dabei sogar ein Rennen gewinnen. Das unterstreicht, wie groß sein Potenzial auch in dieser Bootsklasse ist. Im ebenfalls olympischen Kajak Cross qualifizierte sich Marian Arnu in den Time Trials für die Top 12 und kam damit in Augsburg in die Head-to-Head-Rennen. Dort war dann im Viertelfinale Schluss, sodass er im Kampf um die Cross-Startplätze für die Nationalmannschaft nicht mehr mitreden konnte. In der Endabrechnung belegte er Platz zwölf.
Jonathan Arnu und Maxi Scott gingen ebenfalls in der U18 an den Start, sind altersmäßig aber noch U16 und sammelten vor allem wichtige Erfahrung auf Strecken mit internationalem Niveau. Beide mussten sich in Markkleeberg und Augsburg auf Kursen behaupten, die technisch anspruchsvoll waren und Weltcup- oder WM-Niveau hatten. Jonathan Arnu war wie Marian in K1, C1 und Kajak Cross am Start, Maxi Scott trat in zwei Disziplinen an, jedoch nicht im Kajak Cross. Für beide stand weniger die unmittelbare Qualifikation als vielmehr das Lernen im Vordergrund. Gerade für junge Athleten ist ein solches Umfeld ein wertvoller Schritt in der Entwicklung.
Die Bedingungen machten die Aufgabe für die Rosenheimer zusätzlich schwer. Während viele Konkurrenten an Olympiastützpunkten oder in unmittelbarer Nähe zu den Anlagen trainieren können, steht dem KKR im Alltag im Wesentlichen nur der Inn als Trainingsstrecke zur Verfügung. Der ist zwar wichtig für die Nachwuchsarbeit, aber mit internationalen Rennstrecken wie dem Kanupark Markkleeberg oder dem Augsburger Eiskanal nicht vergleichbar. Leipzig, Halle und Augsburg liegen für viele Gegner praktisch vor der Haustür – die Rosenheimer müssen dagegen deutlich weitere Wege und damit auch größere strukturelle Nachteile in Kauf nehmen. Besonders Markkleeberg liegt für sie mit rund 500 Kilometern Entfernung weit weg, und auch die Trainingsmöglichkeiten in Augsburg waren in diesem Frühjahr erneut eingeschränkt. Wegen des häufig zu niedrigen Wasserstands im Lech ist die Olympiastrecke dort regelmäßig nicht voll nutzbar, was die Vorbereitung zusätzlich erschwert.
Trotz aller Rückschläge kann der Kajak Klub Rosenheim auf diese Sichtungen positiv zurückblicken. Marian Arnu bestätigte mit seinen Ergebnissen in K1, C1 und Kajak Cross, dass er zu den besten U18-Allroundern Deutschlands gehört. Jonathan Arnu und Maxi Scott sammelten wertvolle Rennerfahrung auf höchstem Niveau. Und für Marian gilt: Die Qualifikation ist vorbei, die eigentliche Saison beginnt jetzt erst.



