Süddeutsche Meisterschaft im Kanuslalom - Rosenheim wird zum Zentrum der Szene

Mit einem Titel für Marian Arnu und einem Vizemeistertitel für Nachwuchspaddler Maxi Freitag setzte der Kajak Klub Rosenheim (KKR) starke Akzente bei der Süddeutschen Meisterschaft im Kanuslalom auf dem Inn. Vor heimischem Publikum zeigte der Verein, dass er vor allem im Nachwuchsbereich bestens aufgestellt ist.

Zwei Tage lang stand die traditionsreiche Strecke im Mittelpunkt des süddeutschen Kanusports. Über 300 Starterinnen und Starter aus rund 20 Vereinen sorgten für eine Kajak-Großveranstaltung, wie sie Rosenheim seit vielen Jahren nicht mehr erlebt hat. Von der Altersklasse U8 bis hin zu Ü80 war das gesamte Spektrum vertreten. Viele Vereine reisten bereits Mitte der Woche an. Rund um das Bootshaus entstand so eine dichte Zeltlandschaft, Parkplätze wurden zu Campingflächen und die Anlage entwickelte sich zu einem lebendigen Treffpunkt der Szene. Die direkte Nähe zur Slalomstrecke am Inn, das kompakte Gelände und die durchgehende Präsenz von Sportlern, Betreuern und Zuschauern sorgten für eine besondere, fast festivalartige Atmosphäre. Das Organisationsteam um Slalom-Sportwartin Beate Ganser erhielt viel Lob. Trotz der engen Platzverhältnisse lief die Veranstaltung reibungslos ab, Zeitverzögerungen blieben nahezu aus. Selbst notwendige Anpassungen an den Toren aufgrund schwankender Wasserstände wurden routiniert umgesetzt. Auch das Wetter spielte mit: sonnig und insgesamt sehr angenehm, wenn auch zeitweise etwas windig.

Eine Besonderheit war der ungewöhnlich niedrige Wasserstand des Inns. Aufgrund einer niederschlagsarmen Phase und geringer Zuflüsse aus den Alpen – unter anderem durch eine schwache Schneeschmelze – bewegte sich der Pegel auf einem nahezu historischen Tiefstand.
Das hatte direkte Auswirkungen auf die Strecke: Die ohnehin eher einfache Slalomstrecke wurde nochmals entschärft. Die 23 Tore, darunter sechs Aufwärtstore, boten kaum Variationsmöglichkeiten. Die Linienführung war für die Athleten klar vorgegeben, die Kehrwasser wenig ausgeprägt. Damit verlagerte sich die Entscheidung stärker auf Ausdauer und sauberes Paddeln. Gerade für die jüngsten und ältesten Teilnehmer erwies sich das als Vorteil. Für die Klassen U8 und U10 wurden zusätzlich sechs Tore als Streckenerleichterung aus der Wertung genommen. Trotz der vergleichsweise einfachen Strecke war das Niveau hoch. Auch Starter aus der frisch nominierten Junioren- und U23-Nationalmannschaft waren vertreten. Gleichzeitig diente die Süddeutsche Meisterschaft als Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften und den Deutschland-Cup – was den Wettkämpfen zusätzliche Bedeutung verlieh. Die schnellste Zeit des Wochenendes setzte am Sonntag Robin Stross (SKG Hanau) im K1 der Herren: Mit 95,69 Sekunden blieb er deutlich unter der Konkurrenz und setzte die Maßstäbe .

Der ausrichtende KKR stellte mit rund 25 Athletinnen und Athleten eines der größten Teams im Feld. Von der U10 bis zur Altersklasse Ü50 war der Verein breit aufgestellt. Allen voran überzeugte erneut Marian Arnu, der sich im C1 der U18 den Süddeutschen Meistertitel sicherte. Mit zwei fehlerfreien Läufen und über sieben Sekunden Vorsprung dominierte er das Rennen eindrucksvoll . Im Kajak verpasste er mit Platz vier nur knapp eine weitere Medaille. Auch Maxi Freitag sorgte für ein Highlight: Bei seiner ersten Süddeutschen Meisterschaft wurde er in der U10 Vizemeister und nutzte dabei seine Streckenkenntnis optimal. Weitere starke Ergebnisse aus KKR-Sicht: Jonathan Arnu sicherte sich den 3. Platz im C1 U16, gemeinsam mit seinem Paddel-Partner Maximilian Scott belegte er den 1. Platz im C2-Zweier. Ebenfalls den 1. Platz sicherten sich Joel Scott und Jutta Kaiser im C2 Mixed. Olli Grau erreichte nach sehr langer Wettkampfpause im Kajak den 3. Platz in der Altersklasse Ü50. Nils Maschuw, Luis Betz, Adrian Sommer und Jessica Paukert nutzten das Rennen und konnten sich mit guten Ergebnissen für die Deutschen Meisterschaften später im Jahr qualifizieren.

Auch im Mannschaftsbereich zeigte der KKR-Nachwuchs solide Leistungen: Die U14-Mannschaft mit Anton Freitag, Nils Maschuw und Moritz Reininger belegte Rang elf. Die dritte Schülermannschaft des KKR, bestehend ausschließlich aus sehr jungen Sportlern der Altersklasse U10, stellte sich der kompletten Strecke – obwohl sie in ihren Einzelrennen noch von Streckenerleichterungen profitiert hatten. Mit großem Einsatz meisterten Paul Rauhaus, Lukas Maschuw und Simon Endler die anspruchsvollere Herausforderung und belegten am Ende einen respektablen 20. Platz. Besonders bemerkenswert: Sie traten dabei gegen Konkurrenz an, die zum Teil bis zu vier Jahre älter war. Die U18-Mannschaft des KKR mit Marian und Jonathan Arnu sowie Maximilian Scott ging mit Medaillenhoffnungen an den Start, sorgte aber für Drama! Im Kajaklauf wurde das Trio bei Tor 10 ausgebremst: Scott erlitt einen Krampf im Unterarm, kämpfte sich zwar ins Ziel, kassierte jedoch hohe Strafzeiten. Die Medaillenhoffnungen waren damit dahin, auch ein Start im C1-Team war anschließend nicht mehr möglich.

Dass die Süddeutsche Meisterschaft überhaupt in Rosenheim stattfand, lag auch daran, dass sich kein anderer Ausrichter in Süddeutschland gefunden hatte. Umso mehr unterstrich der KKR seine Bedeutung als feste Größe im bayerischen Kanusport. Die Stadt selbst blickt auf eine lange Tradition zurück: Namen wie Weltmeister Toni Prijon oder die Bootsbauer Prijon und Klepper stehen für die enge Verbindung Rosenheims zum Kanusport. Seit Jahrzehnten werden am Inn Wettkämpfe ausgetragen, darunter auch bedeutende Schülermeisterschaften. Die Siegerehrung am Samstag übernahm Rosenheims Oberbürgermeister, der in einer engagierten Ansprache die Bedeutung des Sports für die Region hervorhob. Besonders die Nachwuchsfahrer durften sich über hochwertige Sachpreise freuen. Bei aller Zufriedenheit bleibt der Wunsch nach besseren Trainingsbedingungen und einer Weiterentwicklung der Infrastruktur. Das Potenzial ist vorhanden – das hat diese Süddeutsche Meisterschaft eindrucksvoll gezeigt. Mit einer großen Teilnehmerzahl, starken sportlichen Leistungen und einer gelungenen Organisation hat Rosenheim einmal mehr bewiesen, dass es zu den wichtigen Standorten im deutschen Kanuslalom gehört.

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