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Deutsche Meisterschaft Wildwasserrennsport
Es war eine Deutsche Meisterschaft, die fast nichts zu wünschen übrig ließ. „Wenn die Kanusportler in Lofer sind, werden wir aufgenommen als wenn wir zu Hause wären“, beschrieb DKV-Präsident Thomas Konietzko die Stimmung. Damit hatte er den Nagel auf den Kopf getroffen.
Lofer. Es war die Meisterschaft der Manuela Stöberl (KKR Rosenheim). Sie dominierte alle ihre Rennen. Ihren Konkurrentinnen – auch aus dem deutschen Nationalkader – ließ sie nicht den Hauch einer Chance, weder im Einzel noch mit ihrem Teamkameradinnen in den Mannschaftsrennen. Die Revanche für die Weltmeisterschaft, wo sie in der Mannschaft keine Berücksichtigung fand, war perfekt! In der Mannschaft Classic standen bei der Siegerehrung sogar zwei Rosenheimer Damenmannschaften auf den Plätzen 1 und 3.

Überhaupt haben die Sportlerinnen und Sportler aus den Vereinen des Bayerischen Kanu-Verbandes seit vielen Jahren nicht mehr so gut abgeschnitten. Die Schülermannschaft des TV Passau mit Blume, Rauffler und Frait gewann die Goldmedaille, und für den ESV München holte die junge Eva Vrevc den ersten Deutschen-Meister-Titel seit rund 25 Jahren.  Aber auch die anderen Erfolge des aufstrebenden Vereins ließen Ex-Vorsitzenden Volker Strüwing strahlen! Die gute Arbeit von Vereinsmitglied Normen Weber mache sich hier bemerkbar, zeigte er sich überzeugt. Normen Weber startet zwar nach wie vor für seinen Heimatverein FFB Brühl (und gewann auch den C1-Classic-Wettbewerb), aber er hat beim ESV auch Trainerarbeit übernommen und gibt sein Können und seine Erfahrung als mehrfacher Weltmeister erfolgreich an die Jugend weiter.

Die Basis im Bayerischen Kanu-Verband nimmt trotz der wenigen Vereine an Breite zu und scheint sich zu festigen. Vor allem im Nachwuchsbereich zeigen sich neue Hoffnungsträger. DKV-Vizepräsident Jens Perlwitz freute sich mit dem Ausrichterteam über das beste Meldeergebnis der letzten Jahre.

Dabei waren die Strecken alles andere als einfach zu bewältigen. Sie  waren anspruchsvoll und einer Deutschen Meisterschaft durchaus würdig, auch wenn die sonst reißende Saalach nach der langen Hitzeperiode ein wenig ihr Gesicht verloren hatte. Dafür zeigte sie Ecken und Kanten - vor allem bei den engen Durchfahrten und einer offensichtlich sehr kraftraubenden Fahrt. Bei etwas höherem Wasserstand wäre sie leichter zu passieren gewesen. Aber selbst nächtliche Gewitter brachten nur eine lehmiggraue Farbe, aber kaum einen Zentimeter Erleichterung. Erst am Tag nach der Deutschen Meisterschaft war die Saalach sprunghaft um 70 cm angestiegen. Hatte der Rennwasserstand  ca. 37 cm betragen, schnellte der Pegel auf 107 cm hoch (HW bei 71). Eine Durchführung der Rennen wäre nicht mehr möglich gewesen.

Es galt für die Sportler, den richtigen Mittelweg zu finden: volles Risiko  zu gehen oder heil im Ziel anzukommen. Der risikoreichere Weg zwischen den eng stehenden Felsen hindurch endete nicht selten in regelrechten Stunts, Eskimorollen oder als Schaukelpferd: Boot und Paddler fanden sich plötzlich im Trockenen auf einem im Weg stehenden Felsen wieder, Bug und Heck hingen frei in der Luft. Die Rettungsmannschaft konnte beim Sprint der Junioren und Leistungsklasse nicht über mangelnde Einsätze klagen.
Vuvuzelas und deutsche Fähnchen fanden bei der DM auch nach der Fußball-Weltmeisterschaft weitere Verwendung. Wer damit oder mit Topfdeckelschlagen vom Streckenrand anfeuerte, konnte jedenfalls nichts falsch machen. Die urbayerischen Kuhglocken waren da schon verräterischer ...

Zwei Jahren liefen die Vorbereitungen auf diese Meisterschaft, in der unter anderem Wasserrechtsbescheide erlassen werden mussten. Der Lohn für diese Mühen: Erstmals konnten drei Strecken für die Wettkämpfe beansprucht werden: der Schüler- und Jugendsprint Sprint zwischen Scheffnoth und  Hubertussteg, die klassische Sprintstrecke zwischen Hubertussteg und Teufelssteg und neu die Classicstrecke zwischen Au und Unken. Jeder Leistungsbereich fand so optimale Bedingungen vor. Genaue Absprachen – aber auch deren zeitgenaues Einhalten beim Wettkampf – verhinderten, dass sich Paddler und Rafter in die Quere kommen konnten.

Für die Organisation bedingte der tägliche Streckenwechsel allerdings eine neue Herausforderung und logistische Meisterleistung: Start und Ziel mit samt aller Technik musste täglich an anderer Stelle neu eingerichtet werden. Aber auch der Verpflegungsstand, zuverlässig vom Team der Kanu Schwaben Augsburg betreut und – bei Temperaturen an die 40 Grad Celsius immer mit kalten Getränken! – wanderte einschließlich mehrerer Biertischgarnituren täglich mit, um die Sportler und Betreuer weder Durst noch Hunger leiden zu lassen. „So viel Engagement von so vielen Ehrenamtlichen sieht man bei kaum einer anderen Disziplin im DKV“, zeigte sich Präsident Thomas Konietzko beeindruckt.
„Die Ehrenamtlichen“ waren eine Kombination aus dem vom Slalom her eingespielten BKV-Team Lofer und den erfahrenen Leitern aus dem Wildwasserbereich. Die Süddeutsche Meisterschaft auf der Ilz im Frühjahr 2010 bildete den Test für Team und Technik. Schon im Vorfeld waren die Meldungen und das Programm über das bayerische Zeitmessteam unter der Führung von Klaus Junker und Gert Belsemeyer gelaufen. In Lofer waren nur noch die üblichen Tücken der Technik zu bewältigen.

Es war eine Deutsche Meisterschaft, die nichts zu wünschen übrig ließ. „Wenn die Kanusportler in Lofer sind, werden wir aufgenommen als wenn wir zu Hause wären“, beschrieb DKV-Präsident Thomas Konietzko die Stimmung. Damit hatte er den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn die Zusammenarbeit mit der Stadt Lofer und ihrem Tourismusbüro ist – ob bei dem alljährlichen Ranglistenslalom oder einem Wildwasserrennen - inzwischen legendär.

Unken war stolz darauf, ein Teil-Gastgeber der DM zu sein und die besten Wildwasserrennsportler Deutschlands, ja teilweise sogar der ganzen Welt, willkommen heißen zu dürfen. Für die Siegerehrung der Classic-Strecken vor dem Gemeindeamt wurde sogar eine Durchfahrtsstraße gesperrt. Strahlende Sportlerinnen und Sportler mit ihren Betreuern füllten den Rathausplatz und ließen sich und ihre Erfolge feiern. Sogar Petrus zollte laut donnernd Applaus. Er verlangte den Funktionären aus der örtlichen Politik und dem Kanusport allerdings jede Menge Wasserfestigkeit ab. Teilweise durchnässt bis auf die Haut hielten sie die Zeremonie durch bis zum letzten Sportler, während die Musikanten, Sportler und Zuschauer schon längst unter die weit überstehenden Hausdächer geflüchtet waren. Zwar haben Vuvuzelas ihren Ursprung im bekanntlich sehr trockenen Afrika – dem Regen in Unken hielten sie in Klang und Lautstärke trotzdem Stand.

Das bayerische Ausrichterteam, diesmal unter Organisationsleiter Willi Rogler und Wettkampfleiter Uwe Klessinger – kann auf immer die volle Unterstützung der Bürgermeister von Lofer und Unken wie auch von Tourismusdirektor Bernd Siorpaes zählen. Im Gegenzug bringen die Kanusportler der Region um Lofer, St. Martin und Unken rund 500 bis 600 zahlende Gäste, die hier eine ganze Woche lang übernachten und sich verpflegen.

Die Abschlussparty mit Einheimischen und Paddlern wurde vom örtlichen Skiclub in St. Martin organisiert. Der nach der Band folgende DJ brachte die Party zum Toben.
Weitere Berichte und Fotos finden sich auf Wildwassersport.de und alle Unterlagen wie Startlisten und Ergebnisse auf lofer-rennen.de.
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Video Bericht auf Radio Tele Salzburg
Geschrieben von: Uschi Zimmermann