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Denkwürdig, weitreichend, gut!
Burghausen. Es war ein Kanutag, den so wohl niemand erwartet hatte: überraschend einträchtig und absolut harmonisch – trotz vielfältiger Entscheidungen, z. B. bei einem Antrags auf Beitragserhöhung.
Mit überragender Mehrheit sprachen die Delegierten bei den Wahlen den Kandidaten ihr Vertrauen aus: Oliver Bungers als neuem Präsidenten, Michael Schmidt als Vizepräsident Organisation, Heidrun Kaltenhauser als Vizepräsidentin Finanzen, Beate Ganser als Vizepräsidentin Leistungssport und Isa Winter-Brand als Vizepräsidentin Freizeitsport.
Wie erwartet wurde das Präsidium einstimmig entlastet und der ausgeglichene Haushaltsvoranschlag für 2011 angenommen. Uwe Klessinger und Manfred Scheppach wurden zu Ehrenmitgliedern im BKV gewählt.
Denkwürdig
„Es war ein denkwürdiger Kanutag, an dem wir weitreichende und gute Entscheidungen getroffen haben“, zog Ehrenpräsident Willi Rogler sein Fazit.
‚Denkwürdig’: Weil niemand damit gerechnet hatte, dass der Antrag auf Beitragserhöhung ab 2012 - noch dazu gepaart mit einem Aufschlag für den Umweltfonds - ohne lange Diskussionen schon in der ersten Abstimmung mit 339 Ja- bei 518 abgegebenen Stimmen eine klare Mehrheit fand.
‚Weitreichend’: Weil damit die Grundlagen für einen gesunden Haushalt in den kommenden Jahren gelegt wurden.
‚Gut’ in jeder Beziehung: Gute Abstimmungsergebnisse, hervorragendes Ambiente im Burghausener Stadtsaal, alles zur vollsten Zufriedenheit vorbereitet. Da fehlte auch nicht das Dankeschön an Hauptorganisatorin Dr. Ilse Entner, an den Hausherrn, Bürgermeister Hans Steindl, bis hin zum hilfsbereiten Hausmeister, der für jedes in letzter Sekunde auftauchende Problemchen eine Lösung fand und sich zudem als Meister der Licht- und Ton-Technik erwies.
Umwelt-Euro beschlossen
In den letzten beiden Jahren schloss der Haushalt im BKV jeweils mit einem Defizit ab. Beratungen der Strategiekommission hatten alle Haushaltsposten auf den Kopf gestellt und schon zu gravierenden Einsparungen geführt, aber das reicht nicht aus. „Wenn wir nicht sehr bald entgegensteuern, dann geraten wir mit unserem Schiff ‚Bayerischer Kanu-Verband’ bald in Schieflage“, begründete Präsident Oliver Bungers den Antrag. Nach zehn Jahren bedeutete diese Beitragserhöhung (einschl. DKV-Beitrag 3,- €/Erwachsene, 1,50 € Jugend, 50 Cent Schüler) einen Aufschlag von 2 % pro Jahr – also weniger als die allgemeine Inflationsrate.
Vielleicht waren die praxisnahen Ausführungen des Bambergers Stefan Dittmar für die unerwartet schnelle und positive Abstimmung ausschlaggebend, der die Vertreter der 37 anwesenden Vereine darauf hinwies, dass die Tasse Kaffee, die sie gerade in der Pause getrunken hatten, schon 2,90 Euro gekostet hatte – also fast das Dreifache des für den Umweltfonds vorgeschlagenen Jahresbetrags in Höhe von 1,- €!
Dieser „Umwelt-Euro“ ist nur von erwachsenen BKV-Mitgliedern zu entrichten und bringt jährlich rund 8.000 € in den gesondert geführten, zweckgebundenen Umweltfonds des BKV. Dieser „Topf“ soll eine dauerhafte Stärkung der Position des umweltverträglichen Kanusports sicherstellen und u. a. ermöglichen, dass bei Bedarf auch mal ein teures Gutachten erstellt oder gar ein Rechtsstreit gegen drohende Befahrungsregelungen eingegangen werden kann.
Geballte Kompetenz
Waren in früheren Zeiten geheime Wahlen meistens eine eintönige Angelegenheit, die den Verbandstag unwillkommen in die Länge zog, so blieb diesmal die Spannung spürbar erhalten. Das Präsidium hatte sich ganz bewusst bei allen Kandidaten für geheime Wahlen entschieden, um niemanden unter Gruppenzwang zu stellen. Der Wahlausschuss unter Vorsitz von Ehrenpräsident Willi Rogler erhielt Unterstützung durch die wiederum stark vertretene Bayerische Kanujugend, die die Stimmzettel einsammelte.
Die Ergebnisse wiesen nur eine verschwindend geringe Anzahl an Nein-Stimmen auf – ein eindeutiges Votum für ein Präsidium, das sich mit einem Altersdurchschnitt von 47 (!) Jahren stark verjüngt hat und einen positiven, geschlossenen und entschlossenen Eindruck macht: Hier soll etwas bewegt werden - hier ist aber auch die Basis vertreten!
Ein Glücksgriff
Auf allen Positionen sitzt geballte Kompetenz. Vor allem Heidrun Kaltenhauser und Michael Schmidt können hier berufliche Ausbildung und Erfahrung miteinander kombinieren. Oliver Bungers als Präsident dürfte ein Glücksgriff sein. Er lebt für den Kanusport. Wohl niemand sonst - außer Ehrenpräsident Willi Rogler – dürfte mit den Zusammenhängen, den Problemen, aber auch den Chancen im Bayerischen Kanu-Verband so vertraut sein wie er. Ebenso viel Knowhow und Erfahrung bringen die Kassenprüfer Gudrun Eichfelder und Karl mit, die für weitere zwei Jahre gewählt wurden.
Mit Veronika Schlosser wurde die von der Bayerischen Kanujugend bereits gewählte 2. Vorsitzende in ihrem Amt bestätigt. Auf die Wahl von Ressortleitern konnte dieses Mal verzichtet werden, denn durch eine Satzungsänderung beim letzten Kanutag werden sie jetzt nach Vorabstimmung durch Präsidium und Bezirksvorsitzende für unbestimmten Zeitraum ernannt. Im Vorfeld des Kanutags hatte auch der Verbandsausschuss seine Zustimmung gegeben.
Vorbild BKV
Wie der Ehrengast Thomas Konietzko, Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes, zutreffend bemerkte, wird im Bayerischen Kanu-Verband hervorragende Jugendarbeit geleistet. Nicht nur Tim Neupert, BKV-Vizepräsident Jugend, sondern auch Oliver Bungers und Michael Schmidt kommen aus dieser Jugendarbeit (auch Konietzko selbst war zuvor Vizepräsident Jugend im DKV). Auch mit ‚Gender‘ habe der BKV kein Problem, fiel dem DKV-Präsidenten auf: Drei Herren im Präsidium sitzen drei Damen gegenüber.
Die Grundsatzrede des DKV-Präsidenten war überaus kurzweilig und informierte über die wesentlichen Aspekte der Arbeit im Kanu-Verband. Immer wieder hob er dabei den Bayerischen Kanu-Verband als Vorbild heraus: „Weil ihr in euren Vereinen das vorlebt, was den Kanusport auszeichnet: Kameradschaft und gemeinsames Arbeiten.“
Der Präsident bat aber auch um Feedback, „was wir im DKV besser machen können“. Er bezeichnete die Kommunikation als eine der ersten Aufgaben der Verbände – auch im Bewusstsein, dass „nicht alles ankommt, was wir kommunizieren. Das müssen wir deutlich verbessern!“ Als DKV-Präsident ‚zum Anfassen’ verbesserte er bei den Delegierten der Basis jedenfalls schon mal deutlich das Image des DKVs und setzte damit völlig neue Maßstäbe.
Unterstützung für Landesverbände
Bei Umweltproblematiken sicherte Konietzko in jedem Fall die Unterstützung durch den Dachverband zu. Nicht allzu große Gegenliebe fand der DKV-Vorstoß in Sachen bundeseinheitlicher Einzelmitgliedschaft. „Die Einzelmitgliedschaft in Bayern ist ein Erfolgsmodell“, gab der DKV-Präsident zu, woraufhin Dr. Stefan Schmidt, Vorsitzender der Bayerischen Einzelpaddlervereinigung, direkt nachfragte, warum man dann dieses seit langem bewährte Erfolgsmodell denn ändern solle ...
Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Sportarten, Leistungssport, finanzielle Förderung olympischer und nicht olympischer Disziplinen, Freizeitsport, Kanusport für Menschen mit Behinderung – Thomas Konietzko informierte über die Bemühungen des Dachverbandes und die Unterstützung, die dieser seinen Landesverbänden anbietet: „Die Leute müssen wieder sagen: Deutschland, das ist doch was – davon können sich die anderen eine Scheibe abschneiden!“ Doch alle Bemühungen kosten Geld – die Beitragserhöhung, die auch der Deutsche Kanu-Verband ab 2012 beschlossen hat, hatte er überzeugend verkauft.
Planungssicherheit
Die Finanzordnung des BKV war durch den Verbandsausschuss bereits beschlossen worden und wurde jetzt den Delegierten vorgestellt. Justiziar Christian Müller, dessen Berufskollegen üblicherweise als „trocken“ in Verruf geraten, wollte beim Vorstellen der neuen Finanzordnung Stimmung in den Saal bringen. „Die in dieser Ordnung enthaltenen Regelungen legen fest, wie wir als Verband mit unserem Geld umgehen“, erklärte er deren Sinn. Das Ergebnis: „Jeder, der im Verband mit finanziellen Mitteln umgeht, hat jetzt eine sichere rechtliche Grundlage und Planungssicherheit, ohne vielleicht auch persönlich haften zu müssen“.
Zu Beginn des Kanutags sprachen Klaus Steinmeier, der Vorsitzende der Paddelabteilung des SV Wacker Burghausen, Reiner Bruhnke, Vorsitzender der Bayerischen Sportjugend, und BLSV-Kreisvorsitzender Dieter Wüst erfreulich kurze Grußworte. Herbert Knoll erklärte die Entstehung und Bedeutung des Vereins Bayerische Kanugeschichte (mit dem erklärenden Zusatz ‚Das Archiv des Bayerischen Kanu-Verbandes’) und warb um Unterstützung. Informationen bietet die Homepage unter www.kanugeschichte-bayern.de.
Denkaufgaben fürs Präsidium
Unter dem Tagesordnungspunkt „Die Vereine haben das Wort“ holte sich Heinz Horelt (Kempten) nützliche Informationen bezüglich des möglichen Baus einer Freestyle-Welle in der Iller in Kempten (Die Dissertation ‚Erzeugung von Wellen und Walzen für den Kanusport’ steht zum Download unter www.kanu.de). Rolf Renner bot auf die Fragen Sepp Schächners Aufklärung zu einem Kraftwerksbau an der Alz, wodurch im Anschluss daran die Wasserführung und damit die Befahrbarkeit beeinträchtigt werden.
Aber auch ‚Denkaufgaben’ für die nächsten Jahre wurden dem neuen Präsidium mit auf den Heimweg gegeben. Dr. Stefan Schmidt vermisste die direkte Kommunikation mit dem Präsidium, und auch Workshops wie vor zwei Jahren wurden als Bereicherung des Kanutags empfunden und wieder gefordert.
Die Abstimmung über einen letzten Antrag setzte den Schlusspunkt unter einen erfolgreichen Kanutag und legte zugleich einen neuen Grundstein: Der nächste Kanutag wird 2013 in Dillingen/Donau stattfinden.
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