Weltcupsiege für Tasiadis und Lilik auf der Heimstrecke
Als Sideris Tasiadis (KSA) als Sechster der zehn
Canadier-Finalisten beim Weltcup-Auftakt über die Ziellinie des Eiskanals paddelte, brachen die Emotionen nur so aus ihm heraus. Zwar war dem Augsburger Kanu-Schwaben noch kein Podestplatz sicher – vier Athleten standen noch am Start –, aber er wusste, was sein Lauf bedeutete. Mit 3,08 Sekunden Vorsprung setzte er sich zu diesem Zeitpunkt an die Spitze, vor den Slowaken Matej Benus. Und die sollten auch so stehen bleiben. Dritter wurde Jiri Prscavec aus Tschechien.
„Ich liebe es, Herausforderungen zu haben. Irgendwie kann ich mich dann noch mehr konzentrieren, wenn ich so unter Druck stehe. Irgendwie funktioniere ich da am besten“, sagte Tasiadis, der nach seinem WM-Gold im vorigen Jahr erneut ganz oben auf dem Podest stand.
Die 24-Jährige Elena Lilik (KSA) paddelte im Kajak-Einer zu ihrem ersten Weltcup-Sieg. Mit 4,29 Sekunden Vorsprung auf die Wahl-Italienerin Stefanie Horn gewann sie das erste internationale Rennen der Saison. „Am Ende war ich überrascht über den großen Abstand“, sagte die glückliche Siegerin. Bereits am Vormittag war sie die Qualifikation im Canadier-Einer gefahren, bei der sie sich sicher in das Halbfinale gepaddelt hat. Die Belastung spürt sie nach dem langen Wettkampftag. „Ich merke es schon ganz schön in den Armen. Ich hoffe, ich komme heute Abend gut zur Ruhe nach dem ganzen Trubel, auch nach der Siegerehrung.“
Einzig Teamkollegin Ricarda Funk war Lilik ganz dicht auf den Fersen. Die Olympiasiegerin und Doppelweltmeisterin vom KSV Bad Kreuznach war vier Tore vor Schluss noch auf Siegkurs, bis ihr eine Walze zum Verhängnis wurde.
Elena Lilik holte im Canadier-Einer noch einmal Bronze. Es sei ein schwieriger Kurs gewesen, das mache aber auch „die Wettkämpfe spannend. Besser geht es fast gar nicht.“
Hannes Aigner (AKV) machte es an seinem Finaltag besonders spannend. Lange musste der 34-Jährige warten, bis klar war, dass sein Halbfinallauf überhaupt für den Endlauf reichte. Als Zehnter rutschte er gerade noch so hinein. Doch einmal im Finale, so wusste er, sind alle Chancen offen. Er sagte: „Nach meinen Finallauf, in dem ein paar Ecken drinnen waren, war ich ein bisschen skeptisch, ob ich lange in der Leadersbox stehen kann.“ Er durfte fast bis zum Schluss dort stehen, lediglich der Italiener Giovanni de Gennaro und der Brite Joseph Clarke waren auf dem schwierigen Kurs schneller als er.
Für den zweiten deutschen Finalisten, Noah Hegge (KSA) lief es nicht ganz nach Wunsch. Mit Platz acht war der 24-Jährige dennoch zufrieden. „Im Halbfinallauf hatte ich einen besseren Start erwischt“, sagte er. Auch insgesamt sei das Rennen deutlich besser gelaufen, doch die Finalteilnahme sei versöhnlich für ihn.
Wie schwierig der Stangenparcours in dem ohnehin ganz speziellem wilden Wasser des Eiskanals war, zeigte auch das Ausscheiden einiger Favoriten: Weltmeisterin Andrea Herzog verpasste den Endlauf wegen eines kapitalen Fehlers an einem Aufwärtstor unter der Bogenbrücke im oberen Streckenabschnitt. Es war die gleiche Stelle, die einen Tag zuvor schon Kajakspezialistin Jasmin Schornberg zum Verhängnis wurde. Auch Franz Anton (alle Leipziger KC) hatte große Schwierigkeiten. Dem 33-Jährigen missglückte bereits der Start, er berührte Tor eins und verlor viele Sekunden an Tor zwei. Er schied als Halbfinal-16. aus.
Die anderen deutschen Halbfinalisten im Canadierboot, Nele Bayn (Leipziger KC) und Timo Trummer (KV Zeitz), schieden ebenso vorzeitig aus.
Nach den Kanuslalom-Wettkämpfen sagte Cheftrainer Klaus Pohlen: „Es war ein außerordentlich guter Einstig in die Saison. Wir waren in allen Finals vertreten und haben überall eine Medaille gewonnen, davon zweimal Gold. Besser kann es erstmal nicht laufen.“
Text + Fotos: Uta Büttner
Ergebnislisten: www.canoeicf.com/canoe-slalom-world-cup/augsburg-2023/results



